| Annette Rößler |
| 08.10.2026 18:00 Uhr |
Offenbar kann sich unter einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten das Risiko für Nagelablösungen erhöhen. Darauf deuten Daten hin, die bei einem Fachkongress präsentiert wurden. / © Getty Images/ Sirisak Boakaew
In einer Pressemitteilung informiert die European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) über Studienergebnisse, die kürzlich bei der Jahrestagung der Fachgesellschaft in Wien vorgestellt wurden. Es handelt sich um eine Querschnittsstudie mit insgesamt 1904 Teilnehmenden: 575 Patienten unter einer Therapie mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und 1329 gematchte Kontrollen mit Typ-2-Diabetes und/oder Adipositas, die noch nie einen GLP-1-RA angewendet hatten.
Laut Mitteilung waren Probleme mit den Nägeln, insbesondere eine Ablösung (Onycholyse) und Verfärbungen der Nägel, unter GLP-1-RA-Anwendung mit 46 Prozent betroffenen Patienten deutlich häufiger als in der Vergleichsgruppe mit 17 Prozent. Insgesamt gaben bei einer Befragung 66 Prozent der Teilnehmenden in der Verumgruppe mindestens ein nagelbezogenes Symptom an, während es in der Kontrollgruppe 53 Prozent waren. Die erhöhte Häufigkeit ließ sich nicht allein mit dem Gewichtsverlust unter der Therapie erklären: Die Unterschiede zwischen den Gruppen blieben auch dann signifikant, wenn ausschließlich Teilnehmende einbezogen wurden, die Gewicht verloren hatten.
Bislang habe es zu Nagelveränderungen unter GLP-1-RA-Therapie lediglich anekdotische Evidenz gegeben, sagte Studienautor Dr. Charles Taïeb. »Unsere Ergebnisse zeigen eine klare Assoziation.« Das Design der Studie schließt es jedoch aus, Aussagen über eine mögliche Ursache-Wirkungs-Beziehung zu machen. »Nicht alles, was während einer GLP-1-RA-Therapie passiert, wird notwendigerweise durch die Therapie verursacht«, betonte Taïeb.
Die Auswertung des Datensatzes bezüglich Symptomen, die die Haare betreffen, wurde auf der Konferenz von Dr. Bruno Halioua präsentiert. Zu einem erhöhten Risiko für Haarausfall unter GLP-1-RA hatte es bereits Veröffentlichungen gegeben.
Dies bestätigen die präsentierten Daten. So kam es in der Gruppe der GLP-1-RA-Anwender bei 50 Prozent zu ungewöhnlichem Haarverlust, während dies in der Kontrollgruppe lediglich bei 34 Prozent der Teilnehmenden der Fall war. Ein Haarausfall, der nach Behandlungsbeginn einsetzte, war mit 26 versus 12 Prozent mehr als doppelt so häufig, eine Kopfhautrötung sogar dreimal so häufig.
Dabei trat ein Haarverlust bei GLP-1-RA-Anwendnern nur selten allein auf; meist wurde über begleitende Kopfhautsymptome wie Juckreiz, Rötung oder Schuppung berichtet. »Das deutet darauf hin, dass die Vorgänge in der Kopfhaut über einen Haarausfall hinausgehen, wie wir ihn klassischerweise bei schnellem Gewichtsverlust sehen, und eine inflammatorische Komponente beinhalten«, sagte Halioua. Eine Kopfhautentzündung sei eher die Regel als die Ausnahme gewesen.
Alles in allem lieferten die Ergebnisse Hinweise darauf, dass es »Faktoren jenseits des Gewichtsverlusts« gebe, die unter einer GLP-1-RA-Therapie die Haare, Kopfhaut und Nägel betreffende Veränderungen hervorrufen können. Bei Patienten solle dies jedoch eher Aufmerksamkeit als Beunruhigung auslösen. »Diese Veränderungen sind häufig, üblicherweise benigne und kein Grund, eine wirksame Therapie eigenmächtig abzusetzen«, sagte der Dermatologe.