| Melanie Höhn |
| 08.10.2026 11:30 Uhr |
Die finanziellen Folgen gefälschter Rezepte treffen sowohl Apotheken als auch Krankenkassen. / © Imago/Zoonar
Rezeptfälschungen werden zunehmend professionell von kriminellen Netzwerken organisiert. Im Visier sind vor allem hochpreisige Arzneimittel, darunter Krebsmedikamente, Diabetesmittel, Präparate gegen Depressionen und Epilepsie sowie Medikamente gegen starke Schmerzen, heißt es laut einer aktuellen Recherche der Wochenzeitung »Die Zeit«.
Die erbeuteten Arzneimittel werden Ermittlern zufolge teilweise ins Ausland weiterverkauft, wo bestimmte Präparate schwer erhältlich seien. Sogenannte Einlöser würden gegen Bezahlung angeworben, um die gefälschten Rezepte in der Apotheke vorzulegen. Die Kontakte ergäben sich laut der »Zeit«-Recherche durch Messenger-Dienste und soziale Netzwerke. Teilweise würden dabei sogar auch Minderjährige in die Abläufe einbezogen.
Gleichzeitig sei zu beobachten, dass die Fälschungen immer aufwendiger werden: Kriminelle erfinden Arztpraxen und medizinische Einrichtungen, nutzen Bilder realer Ärztinnen und Ärzte und erstellen täuschend echt wirkende Internetseiten von Arztpraxen oder Medizinischen Versorgungszentren. In einigen Fällen würden sogar echte Versichertendaten verwendet, wodurch die gefälschten Verordnungen für Apothekerinnen und Apotheker nur schwer als solche zu erkennen seien. Ermittler berichten von einem wachsenden Fallaufkommen in mehreren Bundesländern.
Gefälschte Rezepte für Medikamente werden immer mehr zum Problem für Apotheken und Krankenkassen. Bei besonders teuren Arzneimitteln kann bereits ein einzelnes gefälschtes Rezept einen Schaden von mehreren Tausend Euro verursachen. Im Jahr 2025 verursachten beispielsweise bei der Kaufmännischen Krankenkasse KKH Betrugsfälle im Zusammenhang mit Apotheken den größten Schaden: Die Summe beläuft sich auf mehr als 875.000 Euro.
Der LAV Baden-Württemberg kritisierte beim Deutschen Apothekertag 2026, dass solche Kosten nicht über Retaxationen auf die Apotheken übertragen werden dürften und forderte einen besseren Schutz vor den daraus entstehenden wirtschaftlichen Risiken. Für Apotheken sei es im Arbeitsalltag nicht immer möglich, gefälschte Verordnungen trotz sorgfältiger Prüfung zweifelsfrei zu erkennen. Es wurde gefordert, dass Apotheken nicht haften sollten, wenn Fälschungen trotz ordnungsgemäßer Prüfung nicht erkennbar waren. Die Beweislast für Pflichtverstöße müsse bei den Krankenkassen liegen. Für besonders missbrauchsanfällige Arzneimittel müssten verpflichtende E-Rezepte sowie sichere Verordnungs- und Abrechnungsverfahren eingeführt werden.