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Warten auf den Durchbruch
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Fortschritte bei den Krebsimpfstoffen

Die Entwicklung therapeutischer Krebsimpfstoffe erlebt derzeit einen neuen Aufschwung. Neue Technologien ermöglichen personalisierte Vakzinen, die das Immunsystem gezielt gegen Tumorzellen aktivieren. Erste Studien liefern vielversprechende Ergebnisse bei verschiedenen Krebsarten und wecken zudem Hoffnungen auf einen präventiven Einsatz bei Menschen mit hohem Krebsrisiko
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 29.09.2026  14:30 Uhr

Prophylaktische Krebsimpfstoffe

Noch weiter reicht die Idee, Krebsimpfstoffe nicht erst zur Therapie, sondern zur Prävention einzusetzen. Bei Menschen mit Lynch-Syndrom wurde beispielsweise Nous-209 untersucht. Dabei handelt es sich um einen viralen Impfstoff, der 209 bei Mismatch-Repair-Defekten vorkommende Frameshift-Epitope kodiert. In einer Phase-Ib/II-Studie ließ sich bei allen 37 immunologisch auswertbaren Teilnehmern eine neoantigenspezifische Immunantwort nachweisen. Bei 85 Prozent waren mutationsspezifische IFN-γ-produzierende T-Zellen nach einem Jahr noch nachweisbar. Ob eine solche Immunisierung tatsächlich die Krebsinzidenz reduziert, ist damit jedoch noch nicht gezeigt.

Die größten Hürden liegen derzeit weniger in der grundsätzlichen Machbarkeit als in der Translation. Die Identifikation geeigneter Neoantigene und die individuelle Herstellung können mehrere Wochen beanspruchen. In Studien erhielt deshalb nahezu die Hälfte der grundsätzlich geeigneten Patienten ihre Vakzine letztlich nicht, entweder weil die Tumorprogression zu weit fortgeschritten war oder weil sich nicht genügend geeignete Mutationen identifizieren ließen. Zudem scheinen viele Vakzinen erst in Kombination mit Checkpoint-Inhibitoren eine ausreichend starke T-Zell-Antwort zu erzeugen.

Ein Vorteil der Krebsimpfung könnte dagegen ihre vergleichsweise gute Verträglichkeit sein. In einer systematischen Auswertung von 239 Phase-I-Studien mit fast 5000 Patienten traten lediglich zwei Grad-3/4-Toxizitäten pro 1000 Impfstoffgaben auf. Meist handelte es sich um lokale Reaktionen oder vorübergehende Allgemeinsymptome wie Fieber und Muskelschmerzen; autoimmune Reaktionen wurden nur selten beobachtet.

Damit zeichnet die Übersicht kein Bild eines unmittelbar bevorstehenden universellen Impfstoffs gegen Krebs. Vielmehr entsteht eine neue Klasse immunologischer Therapien mit sehr unterschiedlichen Konzepten, die von breit einsetzbaren Tumorantigen-Vakzinen über Tumorlysate und onkolytische Viren bis zur individuell anhand der Tumorsequenz hergestellten mRNA-Vakzine reichen.

Besonders interessant ist die mögliche Verschiebung in frühere Krankheitsstadien: von der Behandlung großer Tumormassen zur Verhinderung von Rezidiven und langfristig möglicherweise sogar zur Krebsprävention bei definierten Hochrisikogruppen. Die entscheidende Frage der kommenden Phase-III-Studien wird sein, ob die inzwischen eindrucksvoll nachweisbaren tumorspezifischen Immunantworten zuverlässig in einen klinisch relevanten Überlebensvorteil übersetzt werden können.

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