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Alzheimer-Therapie
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Fokus auf Amyloid und Tau-Fibrillen

Die Ursachen der Alzheimer-Erkrankung sind weitgehend unbekannt, eine kausale Therapie ist nicht verfügbar. Intensive Forschung hat neue Verfahren zur Frühdiagnostik sowie Antikörperbehandlungen gegen Amyloid- und Tau-Proteine hervorgebracht, die neue Hoffnung auf eine wirksame Therapie geben.
AutorKontaktCarsten Culmsee
AutorKontaktJana Fedjaev
AutorKontaktHanna Rosemarie Hofmann
AutorKontaktJohanna Lücke
Datum 27.10.2024  08:00 Uhr

Frühdiagnostik und Prophylaxe

Für die bisher bekannten therapeutischen Ansätze ist es wichtig, dass die Alzheimer-Demenz frühzeitig erkannt wird. Bildgebende Verfahren mittels PET oder MRT, Liquor- und genetische Untersuchungen, aber auch neuere und relativ einfache Blutanalysen ermöglichen inzwischen eine frühe Diagnosestellung. Dies eröffnet die Option, Patienten frühzeitig prophylaktischen oder therapeutischen Maßnahmen zuzuführen.

Wenn Patienten Symptome einer MCI aufweisen oder solche, die auf eine Alzheimer-Demenz hindeuten, kann in Blutproben auf Biomarker wie Aβ42, Aβ40 und pTau217 getestet werden. Diese gelten als charakteristisch für eine Alzheimer-Erkrankung und ermöglichen eine Abschätzung der pathologischen Situation des Patienten, die dann die weitere Diagnostik und Therapie mitbestimmt (61).

Bei einem Biomarker-Ergebnis, das als mittleres Risiko oder als »Grauzone« eingestuft wird, folgen Liquor- oder PET-Analysen. Für den Nachweis von Aβ-Plaques und Tau-Neurofibrillen mittels PET-Imaging gibt es verschiedene Radiopharmazeutika wie 18F-Florbetaben oder 18F-Flortaucipir, die das Blutprobenergebnis bestätigen können. Die Aβ- und Tau-Werte aus Liquoranalysen korrelieren stark mit denen der PET-Messungen, sodass nicht beide Methoden an demselben Patienten erforderlich sind.

Mit dieser Stratifizierung und der bestätigten Alzheimer-Diagnose kann anschließend die adäquate Pharmakotherapie gestartet werden (Abbildung 2) (62–64).

Zudem muss eine bessere Differenzierung der Patientengruppen erfolgen, zum Beispiel über eine Stratifizierung der genetischen Risikofaktoren. So besteht bei Trägern des Risikogens Apoε4 ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Amyloid-Plaque-Reduktion und dem Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten (65). Pharmakogenomische Untersuchungen könnten also die Patienten identifizieren, die besonders gut auf die Amyloid-Antikörpertherapie ansprechen sollten – allerdings auch ein erhöhtes Risiko für ARIA mitbringen (65, 66).

Auch die vielfältigen genetischen und Umweltrisiken der Alzheimer-Demenz selbst müssen weiter erforscht werden, da immer noch nicht geklärt ist, wie es genau zum Ausbruch und Fortschreiten der Erkrankung kommt. Viele Risiken können durch Lebensstilmaßnahmen abgemildert werden (25). Physiologische (Sehschwäche, Hörverlust), psychische (Depressionen) oder externe Bedingungen wie soziale Isolation können – vor allem kombiniert – zu einer kognitiven Verarmung führen. Fehlen längerfristig wichtige »Inputs«, die man sonst durch Lesen, Diskutieren, Unterhaltung oder kognitive Herausforderungen erlangt, steigt das Alzheimer-Risiko bedeutend.

Neben der beeinträchtigten kognitiven Stimulierung zählen auch körperliche Erkrankungen (metabolisches Syndrom) sowie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum zu den größten Risiken für die Entstehung der Alzheimer-Demenz (Kasten). Auch die Vermeidung von Infektionen durch Impfung kann das Demenzrisiko beeinflussen (67); tatsächlich verschlechtern Erkrankungen wie Grippe, Covid-19 oder Herpes zoster nicht nur akut die Demenzsymptomatik, sondern begünstigen auch die weitere kognitive Verschlechterung und erhöhen die Mortalität.

Dass Maßnahmen zur Risikominderung und Frühinterventionen durchaus signifikante Effekte bringen können, belegen jüngste Erkenntnisse aus genetischen Studien. In Familien mit Presenilin-Mutationen, die in aller Regel und unvermeidlich zu einem frühen Ausbruch der Alzheimer-Demenz führen, wurden Menschen identifiziert, die trotz der Mutation nicht erkranken (68). Auch die Ernährung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Demenzentwicklung und zwar unabhängig vom genetischen Risiko, wie Studien zu Effekten der mediterranen Diät immer wieder belegen (69).

Solche präventiven Maßnahmen und daraus abgeleitete schützende Mechanismen sind wegweisend für künftige effektive Therapieansätze zur Prophylaxe und Behandlung von Alzheimer-Patienten (70).

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