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Social Distancing

Fast keine Grippe bislang in dieser Saison

Die Maßnahmen wirken

Dass die Grippeaktivität in Deutschland so gering ausfalle zeige, dass die Infektionsschutzmaßnahmen funktionieren, sagte RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler am Samstag auf einer Informationsveranstaltung des Bundesgesundheitsministeriums. »Abstandhalten und Masketragen führen tatsächlich dazu, dass wir deutlich weniger Atemwegserkrankungen haben.« Das sei auch an anderen Erregern zu merken

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte auf der Veranstaltung, dass die Grippeimpfung dennoch weiterhin im Blick behalten werden sollte. Denn es sei noch Grippeimpfstoff übrig. »Ich würde es gerne miteinander erreichen, die bestellten 26 Millionen Impfstoffdosen auch zu verimpfen«, sagte Spahn. Der Abstand zur Covid-19-Impfung sollte aber mindestens zwei Wochen betragen, sagte Wieler.

Ähnliche Phänomene auf der Südhalbkugel

Nach dem abrupten Ende der vergangenen Grippesaison auf der Nordhalbkugel im Frühjahr 2020, kam die Grippeaktivität im weiteren Verlauf des Jahres auf der Südhalbkugel gar nicht richtig in Schwung. Dort wurden laut Daten der Weltgesundheitsorganisation bemerkenswert niedrige Grippeerkrankungen in Juli und August registriert, der typischen Influenzasaison der Südhalbkugel. In den Ländern Australien, Südafrika und Chile wurden zusammengenommen nur 51 von 83.000 Proben positiv auf Influenzaviren getestet. Wenn auch die kommende Grippesaison auf der Nordhalbkugel entsprechend spärlich ausfällt, ist dies zunächst eine gute Nachricht: Es entlastet die Krankenhäuser in der Covid-19-Pandemie. Ein sehr milde Grippesaison kann aber auch weitere Effekte haben, so könnte es schwierig sein, die korrekten Varianten für die kommende saisonale Grippevakzine zu bestimmen, erklärt der Virologe Professor Dr. Richard Webby, von der St Jude’s Klinik in Memphis, Tennessee, gegenüber dem Nachrichtenportal des Fachjournals »Nature«.

Zudem könnte es die Influenzavirus-Zirkulation nachhaltig beeinflussen, indem seltenere Subtypen verschwinden werden. Eine mögliche Folge von schwach ausgeprägten Grippewellen könnte auch sein, dass die Immunität gegen die Erreger in der Bevölkerung sinkt. Dann könnte sich eine Tür öffnen für neue Influenzavirus-Varianten aus Schweinen, die auf den Menschen überspringen können, so Webby. Von diesen entstünden jedes Jahr ein paar neue, die aber durch die Grundimmunität in der Bevölkerung den Sprung auf den Menschen normalerweise nicht schaffen. 

Und nicht nur die niedrige Grippeaktivität, auch andere Phänomene waren in der Erkältungssaison in den Monaten Juni bis August auf der Südhalbkugel schon beobachtet worden: Auch dort war die RSV-Zirkulation dramatisch abgesunken (um 98 Prozent). Auch hier könnten Immunlücken entstehen, die spätere deutlich stärkere RSV-Wellen zur Folge hätten.

Eine Virusart sperrt sich aber gegen den Abwärtstrend und hat vielmehr in der Covid-19-Pandemie ein Hoch: Die Rhinoviren. Zu diesen gehören etwa 100 Serotypen, die alle Erkältungen und Schnupfen verursachen. Warum diese sich halten können, ist noch unklar, heißt es in dem »Nature News«-Artikel. Sie könnten davon profitieren, dass sie als unbehüllte Viren resistenter gegen Desinfektionsmittel und Seife sind. Zudem können sie sich offenbar besser auf Oberflächen halten und könnten somit besser über kontaminierte Gegenstände wie Türgriffe übertragen werden. 

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