| Melanie Höhn |
| 23.07.2026 15:00 Uhr |
Zum Boom des Online-Arzneimittelhandels habe auch die Einführung des E-Rezepts beigetragen, analysierte die FAS. Zwar würden fünf der getesteten Versender die Versandkosten bei Einlösung eines E-Rezepts erlassen, die Online-Apotheken könnten jedoch bei der Beratung mit der Apotheke vor Ort nicht mithalten. Die Apotheke vor Ort kenne die Medikamentenhistorie ihrer Stammkunden oft und könne mögliche Wechselwirkungen besser einschätzen als Versandapotheken, erläuterte Bettina Sauer.
Chatbots und telefonische Hotlines der Versender fielen im Test durch. Neben dem Versagen des bereits erwähnten Chatbots von DocMorris konnte unter anderem auch der digitale Assistent von Shop-Apotheke nicht glänzen: Er empfahl ein Produkt, das gar nicht im Sortiment des Anbieters war.
Die FAS resümiert, dass die Stärke der stationären Apotheken zudem der Notdienst ist: »Wer abends Fieber bekommt oder nachts ein Schmerzmittel braucht, muss nicht bis zur nächsten Onlinelieferung warten, die meist ein bis zwei Tage dauert. Machen zu viele Apotheken dicht, ist die Notfallversorgung in Gefahr.« Zudem sei die gezielte Beeinflussung durch Marketingreize bei Onlineapotheken ein Problem, hier werde mit Schlüsselreizen wie roter Farbe, durchgestrichenen Preisen oder Worten wie »neu«, »billig« oder »Rabatt« geworben. Vor allem bei dem Wort »günstiger« müssten sich Konsumenten bewusst sein, dass das Produkt billiger als die Empfehlung der Hersteller sei. »Das bedeutet nicht, dass ein Produkt günstiger ist als bei der Onlinekonkurrenz oder der Apotheke vor Ort«, bilanziert die FAS.