| Melanie Höhn |
| 23.07.2026 15:00 Uhr |
Die FAS resümiert, dass die Stärke der stationären Apotheken unter anderem auch der Notdienst ist. / © Imago/Michael Gstettenbauer
Im Test der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) versagt der Chatbot von DocMorris bereits vor der ersten Frage: »Leider kann ich Ihnen derzeit bei Fragen zur Anwendung von Medikamenten sowie zu medizinischen oder pharmazeutischen Themen nicht weiterhelfen«, heißt es in dem Bericht der Zeitung.
Die FAS hat im Juni zehn Vor-Ort-Apotheken in Köln, Leipzig, Berlin, Hamburg und München sowie zehn Online-Apotheken unter die Lupe genommen und bestimmte Medikamentenpreise miteinander verglichen. Das Fazit: Online ist nicht automatisch günstiger, und die persönliche Beratung bleibt ein entscheidender Vorteil der stationären Apotheken.
Der Test-Warenkorb bestand aus Ibuprofen, Paracetamol, Nasenspray, Hustenlöser und Wundsalbe, alle in identischer Menge und vom gleichen Hersteller. Laut Bericht schwankte der Preis bei den stationären Apotheken zwischen 23,80 Euro und 37,25 Euro, was einen Unterschied von 13,45 Euro ausmacht. Über die Preisunterschiede informierte Annika Herr, Gesundheitsökonomin an der Leibniz-Universität Hannover, in der FAS: »Apotheken, in denen viele Rezepte eingelöst werden, können rezeptfreie Produkte dadurch günstiger anbieten. Apotheken mit weniger Rezeptkundschaft müssen diese Produkte teurer verkaufen, um wirtschaftlich zu überleben.«
Bei den Online-Apotheken lag der Preis zwischen 15,86 Euro und 24,53 Euro. Dazu erklärte Bettina Sauer von Stiftung Warentest im Testbericht: Online sei der Einkauf dann lohnenswert, wenn man den Betrag erreiche, ab dem die Versandkosten erlassen werden. Bei der Bestellung einzelner Medikamente zahle man hingegen oft drauf.
Zu den Preisunterschieden zwischen stationären und Online-Apotheken ergänzte Annika Herr, dass die »klassische Apotheke« mit ihren Margen »viel mehr Leistungen« finanzieren müsse: Notdienst, Akutversorgung, Rezepturen, spontane Beratung, Botendienste und Krisenreserven. Würden Leistungen wie Notdienst, Akutversorgung oder individuelle Beratung besser vergütet, könnten Vor-Ort-Apotheken rezeptfreie Arzneimittel ebenfalls zu niedrigeren Preisen anbieten, sagte Herr. Zudem würden stationäre Apotheken häufig kleinere Mengen einkaufen als große Versandhändler und hätten dadurch höhere Einkaufskosten, so Herr zur FAS.