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FAS stärkt Vor-Ort-Apotheken den Rücken

Die FAS hat im Juni zehn Vor-Ort-Apotheken und zehn Online-Apotheken miteinander verglichen. Das Fazit: Online ist nicht automatisch günstiger, und die persönliche Beratung bleibt ein entscheidender Vorteil der stationären Apotheken.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 23.07.2026  15:00 Uhr

Im Test der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) versagt der Chatbot von DocMorris bereits vor der ersten Frage: »Leider kann ich Ihnen derzeit bei Fragen zur Anwendung von Medikamenten sowie zu medizinischen oder pharmazeutischen Themen nicht weiterhelfen«, heißt es in dem Bericht der Zeitung.

Die FAS hat im Juni zehn Vor-Ort-Apotheken in Köln, Leipzig, Berlin, Hamburg und München sowie zehn Online-Apotheken unter die Lupe genommen und bestimmte Medikamentenpreise miteinander verglichen. Das Fazit: Online ist nicht automatisch günstiger, und die persönliche Beratung bleibt ein entscheidender Vorteil der stationären Apotheken.

Der Test-Warenkorb bestand aus Ibuprofen, Paracetamol, Nasenspray, Hustenlöser und Wundsalbe, alle in identischer Menge und vom gleichen Hersteller. Laut Bericht schwankte der Preis bei den stationären Apotheken zwischen 23,80 Euro und 37,25 Euro, was einen Unterschied von 13,45 Euro ausmacht. Über die Preisunterschiede informierte Annika Herr, Gesundheitsökonomin an der Leibniz-Universität Hannover, in der FAS: »Apotheken, in denen viele Rezepte eingelöst werden, können rezeptfreie Produkte dadurch günstiger anbieten. Apotheken mit weniger Rezeptkundschaft müssen diese Produkte teurer verkaufen, um wirtschaftlich zu überleben.«

Beratung vor Ort ist unersetzbar

Bei den Online-Apotheken lag der Preis zwischen 15,86 Euro und 24,53 Euro. Dazu erklärte Bettina Sauer von Stiftung Warentest im Testbericht: Online sei der Einkauf dann lohnenswert, wenn man den Betrag erreiche, ab dem die Versandkosten erlassen werden. Bei der Bestellung einzelner Medikamente zahle man hingegen oft drauf.

Zu den Preisunterschieden zwischen stationären und Online-Apotheken ergänzte Annika Herr, dass die »klassische Apotheke« mit ihren Margen »viel mehr Leistungen« finanzieren müsse: Notdienst, Akutversorgung, Rezepturen, spontane Beratung, Botendienste und Krisenreserven. Würden Leistungen wie Notdienst, Akutversorgung oder individuelle Beratung besser vergütet, könnten Vor-Ort-Apotheken rezeptfreie Arzneimittel ebenfalls zu niedrigeren Preisen anbieten, sagte Herr. Zudem würden stationäre Apotheken häufig kleinere Mengen einkaufen als große Versandhändler und hätten dadurch höhere Einkaufskosten, so Herr zur FAS.

Medikamentenhistorie der Stammkunden

Zum Boom des Online-Arzneimittelhandels habe auch die Einführung des E-Rezepts beigetragen, analysierte die FAS. Zwar würden fünf der getesteten Versender die Versandkosten bei Einlösung eines E-Rezepts erlassen, die Online-Apotheken könnten jedoch bei der Beratung mit der Apotheke vor Ort nicht mithalten. Die Apotheke vor Ort kenne die Medikamentenhistorie ihrer Stammkunden oft und könne mögliche Wechselwirkungen besser einschätzen als Versandapotheken, erläuterte Bettina Sauer.

Chatbots und telefonische Hotlines der Versender fielen im Test durch. Neben dem Versagen des bereits erwähnten Chatbots von DocMorris konnte unter anderem auch der digitale Assistent von Shop-Apotheke nicht glänzen: Er empfahl ein Produkt, das gar nicht im Sortiment des Anbieters war.

Die FAS resümiert, dass die Stärke der stationären Apotheken zudem der Notdienst ist: »Wer abends Fieber bekommt oder nachts ein Schmerzmittel braucht, muss nicht bis zur nächsten Onlinelieferung warten, die meist ein bis zwei Tage dauert. Machen zu viele Apotheken dicht, ist die Notfallversorgung in Gefahr.« Zudem sei die gezielte Beeinflussung durch Marketingreize bei Onlineapotheken ein Problem, hier werde mit  Schlüsselreizen wie roter Farbe, durchgestrichenen Preisen oder Worten wie »neu«, »billig« oder »Rabatt« geworben. Vor allem bei dem Wort »günstiger« müssten sich Konsumenten bewusst sein, dass das Produkt billiger als die Empfehlung der Hersteller sei. »Das bedeutet nicht, dass ein Produkt günstiger ist als bei der Onlinekonkurrenz oder der Apotheke vor Ort«, bilanziert die FAS.

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