Die Impfraten sind »dramatisch dürftig«. So sind nur 24 Prozent derer, die aufgrund einer Grunderkrankung oder Immundefizienz die Impfung bräuchten, immunisiert. Fasst man die Älteren ab 60 Jahren und die Personen mit Grunderkrankungen zusammen, kommt man nur auf eine Durchimpfungsrate von 11 Prozent.
Eine Option, die Impfquoten zu steigern, sieht Vogelmeier in der vermehrten Nutzung von Parallelimpfungen. Die Koadministration bei einem Termin empfiehlt die STIKO seit drei Jahren explizit bezüglich der Impfungen gegen Influenza, Covid-19 und Pneumokokken. »Dadurch können wir unsere Patienten noch umfangreicher vor Atemwegsinfektionen schützen und die Zahl der Impftermine gering halten. Auch das Risiko durch Koinfektionen wird so minimiert; man denke nur an die Verbindung von Pneumokokken- und Influenzainfektionen«, so Vogelmeier.
»Es gibt gute Daten dafür, dass durch die Einführung der einmaligen Keuchhusten-Impfung für alle Schwangeren zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels auch die Infektionszahlen der Säuglinge und kleinen Kinder deutlich zurückgehen«, sagte Privatdozent Dr. Ulrich Seybold, Leiter der Infektionsambulanz des Zentrums für Klinische Infektiologie an der LMU München, bei einem Impf-Webcast. Der Hintergrund ist, dass Mütter ihre Antikörper über die Plazenta an das Baby weitergeben, was als Nestschutz bezeichnet wird. »Wir registrieren durch die Mütterimpfung einen deutlichen Rückgang der Kindersterblichkeit und auch des plötzlichen Kindstods.«
Pertussis ist vor allem bei Säuglingen keine harmlose Erkrankung. Anstelle der klassischen Symptome kommt es bei ihnen infolge einer Infektion mit dem Erreger Bordetella pertussis häufig zu Atemstillständen. Säuglinge haben zudem das höchste Risiko für schwerwiegende Komplikationen. Laut Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) betreffen ein hoher Anteil aller keuchhustenbedingten Krankenhausaufenthalte und fast alle Todesfälle ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten.
Vor diesem Hintergrund ist es besorgniserregend, dass 2024 in Deutschland nicht nur die meisten Pertussisfälle seit Einführung der Meldepflicht 2013 verzeichnet wurden, sondern vor allem auch, dass Säuglinge unter einem Jahr mit fast 122 Fällen pro 100.000 Einwohner die am stärksten betroffene Bevölkerungsgruppe waren. »2024 ist über die Welt und damit auch Deutschland eine Keuchhusten-Welle hinweggefegt. Vermutlich hängt das auch mit einem nachlassenden Impfschutz bei den Erwachsenen zusammen«, meinte Seybold. In diesem Zusammenhang verwies er auf die »10-Jahres-Auffrischindikation für enge Betreuende von Neugeborenen wie Großeltern oder Babysitter« – für einen optimalen Schutz der Kleinsten.