| Melanie Höhn |
| 04.06.2026 17:30 Uhr |
Darüber hinaus richtete Rendi-Wagner den Blick auf längerfristige Entwicklungen. Sie warnte vor einer zunehmenden Ausbreitung von durch Mücken übertragenen Krankheiten wie dem West-Nil-Fieber oder Chikungunya, deren Auftreten durch klimatische Veränderungen begünstigt werde.
Gleichzeitig beobachte das ECDC einen besorgniserregenden Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen in Europa. Auch bei HIV, Tuberkulose und viralen Hepatitiden sei Europa derzeit nicht auf Kurs, die internationalen Gesundheitsziele zu erreichen. Besonders eindringlich sprach sie über antimikrobielle Resistenzen, die sie als »eine der ernsthaftesten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit, denen wir in Europa gegenüberstehen«, bezeichnete. Jährlich würden Millionen von Krankenhausinfektionen registriert, von denen ein erheblicher Teil mit resistenten Erregern zusammenhänge.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Ausführungen war die Vorsorge. Rendi-Wagner hob hervor, dass Prävention und Impfungen weiterhin zu den wirksamsten Instrumenten der öffentlichen Gesundheit gehörten. Als Beispiel nannte sie die HPV-Impfung, mit der sich viele Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindern ließen.
Gleichzeitig sprach sie sich für eine stärkere Nutzung moderner Technologien wie Künstliche Intelligenz aus. Diese könne künftig helfen, Krankheitsausbrüche früher zu erkennen, große Datenmengen auszuwerten und Risikobewertungen schneller zu erstellen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Humanmedizin, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften im Sinne des »One-Health-Ansatzes« müsse weiter ausgebaut werden.
Abschließend machte Rendi-Wagner deutlich, dass die Zahl und Komplexität grenzüberschreitender Gesundheitsrisiken zunähmen. Das ECDC könne seine Aufgaben nur dann wirksam erfüllen, wenn die bestehenden Kernaufgaben dauerhaft finanziert und neue Herausforderungen mit zusätzlichen personellen und finanziellen Ressourcen hinterlegt würden. Aus ihrer Sicht sind wissenschaftsbasierte Entscheidungen, internationale Kooperation und eine robus