Fehlende Laborkapazitäten erschweren den Nachweis von Ebola – und steigern das Risiko an Malaria zu sterben. Besonders gefährdet: sind die Kinder. / © Getty Images/digicomphoto
Bei mindestens jedem vierten bestätigten Ebola-Todesopfer in der Demokratischen Republik Kongo handelt es sich nach Angaben der Kinderschutzorganisation Save the Children um ein Kind. Unter den bisher in dem zentralafrikanischen Land bestätigten verstorbenen 17 Ebola-Patienten waren vier Kinder, so ein Sprecher.
Die tatsächliche Zahl dürfte angesichts von knapp 240 Verdachtsfällen verstorbener Patienten noch deutlich höher liegen - in der besonders betroffenen Region Ituri gibt es derzeit noch keine Laborkapazitäten, die schnell Gewissheit über eine Ebola-Infektion verschaffen können.
»Ich habe im Laufe der Jahre mehrere Ebola-Ausbrüche erlebt, aber noch nie so eine schnelle Ausbreitung«, sagte Dr. Babou Rukengeza, Leiter der Ebola-Nothilfe von Save the Children in der Demokratischen Republik Kongo. »Viele Länder haben ihre Hilfsgelder gekürzt und wir spüren die Folgen davon bereits vor Ort. Das heißt, es müssten nicht so viele Menschen sterben«, sagte Rukengeza.
Neben Ebola erschweren weitere Gefahren das Leben in den betroffenen Gebieten, insbesondere für Kinder. Sie sind in der von Armut, bewaffneten Konflikten und Mangelernährung betroffenen Region derzeit noch einem weiteren Risiko ausgesetzt, so Rukengeza: Das Risiko, an Malaria zu sterben, steige. Denn die ersten Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Unwohlsein ähneln denen von Ebola. Aus Angst vor einer Ansteckung mieden aber viele Menschen Gesundheitszentren. »Dadurch sterben Kinder an Malaria, obwohl die Krankheit behandelbar wäre.«
Auch die Aufrechterhaltung der Geburtshilfe inmitten des Ebola-Ausbruchs sei herausfordernd, erklärte die Tübinger Tropenärztin Dr. Gisela Schneider. Eine Geburt sei bei Ebola »ein ganz großer Risikofaktor« - nicht nur für die Mutter und das Neugeborene, sondern auch für die Hebamme und andere Mitarbeiter in der Geburtshilfe, da es unter anderem viel Kontakt mit Blut gebe.
UN Women hatte vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass zudem der Anteil von Frauen und Mädchen unter den Betroffenen bei vorangegangenen Ebola-Ausbrüchen überdurchschnittlich hoch gewesen sei. »Frauen sind Mütter, Tanten und Schwestern, die sich um Kinder kümmern«, sagte Sofia Calltorp, Leiterin der humanitären Maßnahmen der UN-Organisation. »Sie sind Töchter, die sich um ihre Älteren kümmern. Sie sind Krankenschwestern und Reinigungskräfte auf Krankenhausstationen und Geburtshelferinnen, die Frauen bei der Geburt ihrer Kinder unterstützen. Frauen sind auch diejenigen, die sich um verstorbene Angehörige kümmern und deren Leichnam für die Beerdigung vorbereiten.«