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Coronavirus-Varianten

Escape-Mutationen machen Sorgen

Aus Großbritannien stammt eine weitere Variante mit der Bezeichnung B.1.1.7, die wegen der N501Y-Mutation auch 501Y.V1 genannt wird. Sie weist ebenfalls eine Reihe von Mutationen im Spike-Gen auf und ist bisherigen Erkenntnissen zufolge deutlich ansteckender als nicht mutierte Formen. Inwieweit Geimpfte gegen die Variante geschützt sind, hat das Unternehmen Biontech für seine mRNA-Vakzine Comirnaty® (Tozinameran, BNT162b2) vor Kurzem untersucht. Der »BioRxiv«-Publikation zufolge beeinträchtigen die Mutationen der B.1.1.7-Variante die Schutzwirkung der Impfung nicht relevant. Das hatte ein Team um Alexander Muik an Pseudovirus-Versuchen mit dem Plasma von 16 Geimpften nachgewiesen. 

Auch ein britisches Team um Professor Dr. Ravindra Gupta von der Universität Cambridge hat ähnliche Untersuchungen durchgeführt. Es verwendete allerdings das Plasma von Geimpften, das drei Wochen nach der ersten Dosis des Biontech-Impfstoffs gewonnen wurde, wobei zwei Dosen für einen vollen Schutz nötig sind. Gegen das mutierte Spike-Protein der B.1.1.7-Variante fiel die Neutralisationsaktivität der Seren geringer aus als gegen andere Varianten, heißt es in einer »MedRxiv«-Publikation. Inwieweit das die Impfstoffeffektivität tatsächlich beeinflusse, sei unklar und müsse durch weitere Studien untersucht werden.

Vollständig Geimpfte hat dagegen ein New Yorker Team um Professor Dr. Michel Nussenzweig von der Rockefeller University untersucht. Es verwendete die Seren von 20 Probanden, die jeweils zweimal entweder mit dem mRNA-Impfstoff mRNA-1273 von Moderna oder BNT162b2 von Biontech/Pfizer immunisiert worden waren. Nach acht Wochen zeigten diese erwartungsgemäß hohe Antikörpertiter gegen das Spike-Protein und eine neutralisierende Aktivität, die Rekonvaleszentenplasma entsprach.

Die Aktivität gegen Varianten, die entweder die N501Y oder die E484K-Mutation oder die Kombination aus N501Y, E484K und K417N trugen, war jedoch um eine kleine, aber signifikante Differenz reduziert. Das berichten die Forscher ebenfalls auf »MedRxiv«. Die Neutralisationsaktivität durch 14 der 17 potentesten monoklonalen Antikörper gegen die Rezeptorbindedomäne war durch eine der drei Mutationen reduziert. Was das für die Impfstoffeffektivität tatsächlich bedeute, sei aus In-vitro-Untersuchungen schlecht abzuleiten. Hier seien weitere Forschung und vor allem Real-Life-Daten nötig.

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