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EU-Arzneimittelversand

»Es gibt keine Kontrolle«

Die zurückliegende Hitzewelle hat das Thema wieder auf das Tapet gebracht: Wie sieht es aus mit der Temperaturkontrolle bei Medikamenten, die Doc Morris und Co. verschicken? Überwachung gibt es praktisch keine.
Ev Tebroke
03.09.2020  09:00 Uhr

Haben Sie zuletzt bei einer europäischen Versandapotheke Medikamente bestellt? Dann kann es sein, dass diese an Wirksamkeit verloren haben, die Qualität der Produkte beeinträchtigt ist. Denn womöglich waren sie  der Hitze in den letzten Wochen ungeschützt ausgesetzt.

Viele Medikamente sind hitzeempfindlich. Ohne eine entsprechende Temperaturkontrolle kann es beim Transport oder Versand zu erheblichen Qualitätseinbußen der Präparate kommen. Apotheken und Pharmagroßhandel müssen deshalb strenge Regeln befolgen, damit die zu liefernden Präparate unbeschadet beim Patienten ankommen und keinen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Für den Großhandel in Deutschland etwa sind die Richtlinien der sogenannten Good Distribution Practice (GDP) bindend. Beim Botendienst und im Versand sind Apotheken hierzulande ebenfalls zur Einhaltung von Temperaturanforderungen verpflichtet: Eine Temperaturkontrolle und durchgehende Transportdokumentation hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) per Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO) im Oktober 2019 gesetzlich vorgeschrieben. Ob die Apotheken sich auch an diese Vorgaben halten, wird hierzulande durch die Behörden streng überwacht.

Die Krux ist: Was für deutsche Apotheken und Versender hierzulande Pflicht ist, ist für EU-Versandhändler, die nach Deutschland liefern, anscheinend nicht bindend. Zwar gibt es auch europäische GDP-Leitlinien, an die sich die ausländischen Versender klar halten müssten. »Es gibt aber keinerlei Kontrollen«, kritisiert Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer (BAK), im Gespräch mit der PZ. Apotheken wie Doc Morris und Shop Apotheke, die unmittelbar aus dem Grenzgebiet von niederländischer Seite nach Deutschland liefern, agieren demnach weitgehend unkontrolliert in einer Art rechtlichen Grauzone. Niederländische Aufsichtsbehörden haben diesen Versandapotheken aufgrund ihres grenznahen Standorts als Grenzapotheken eine Art Sonderstatus zugebilligt. Da diese Apotheken nicht an niederländische Patienten liefern, können sie von den niederländischen Regelungen freigestellt werden, wie aus einer Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke vom 22. Juli 2019 hervorging (19/ 11784). Die deutschen Behörden wiederum haben keinen Zugriff auf die Unternehmen jenseits der Grenze.

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