| Theo Dingermann |
| 08.07.2026 12:30 Uhr |
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die BG18-Antikörperklasse, die gegen die hochkonservierte V3-Glykan-Region des HIV-Hüllproteins gerichtet ist. Diese Region gilt als eine der wichtigsten Achillesfersen des Virus.
Bemerkenswert ist dabei nicht allein die Komplexität des Impfdesigns, sondern vor allem dessen immunologische Präzision. Bereits nach den ersten heterologen Booster-Impfungen ließen sich die gewünschten BG18-Vorläuferzellen zuverlässig vermehren.
Im weiteren Verlauf sammelten diese B-Zellen kontinuierlich somatische Mutationen an, entwickelten eine immer höhere Affinität zu nativen HIV-Hüllproteinen und blieben über mehr als zwei Jahre stabil nachweisbar. Strukturanalysen bestätigten schließlich, dass die durch die Impfung entstandenen Antikörper nahezu identisch an das Virus binden wie natürlich entstandene humane BG18-bnAb. So konnten die Forschenden erstmals experimentell zeigen, dass sich die gewünschte Antikörperklasse tatsächlich gezielt durch Impfung induzieren lässt.
Der eigentliche Durchbruch zeigt sich jedoch in den Neutralisationsexperimenten. Mehr als die Hälfte der immunisierten Makaken (Rhesusaffen) entwickelte Gedächtnis-B-Zellen, deren Antikörper zahlreiche klinische HIV-Isolate neutralisierten. Einzelne Antikörper erreichten dabei bis zu 67 Prozent der Neutralisationsbreite des Referenzantikörpers BG18.
Noch wichtiger war der Nachweis entsprechender Aktivität direkt im Serum der Tiere. Nach Abschluss der vollständigen Impfserie zeigten 44 Prozent aller Tiere messbare breit neutralisierende Serumantikörper. Bei den leistungsstärksten Respondern entsprach die Neutralisationsbreite bis zu 84 Prozent des natürlichen BG18-Antikörpers, was nach Modellrechnungen einem Schutz gegen etwa die Hälfte aller weltweit zirkulierenden HIV-Stämme entsprechen könnte.
Von besonderer Bedeutung ist, dass diese Resultate nicht in genetisch optimierten Mausmodellen erzielt wurden, sondern in gewöhnlichen Rhesusaffen mit einem natürlichen B-Zell-Repertoire. Diese Tiere stellen sogar ein anspruchsvolleres Modell als der Mensch dar, da geeignete BG18-Vorläuferzellen bei ihnen etwa achtmal seltener vorkommen als beim Menschen.
»Wir glauben, dass dieser Impfstoffansatz beim Menschen aufgrund der Immunogenetik noch größere Erfolgsaussichten hat«, sagt Crotty. Das in dieser Studie verwendete Priming-Immunogen wurde im Rahmen der HVTN-144-Studie am Menschen evaluiert und wird derzeit in der Phase-I-Studie IAVI G004 getestet.