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Tageszeit Krebstherapie
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»Nature«-Redaktion zieht Studie zurück

Die Redaktion der Fachzeitschrift »Nature« hat eine umstrittene Publikation zurückgezogen, in der Forschende aus China über eine angeblich bessere Wirksamkeit der Immunchemotherapie bei Krebs berichtet hatten, wenn diese vormittags verabreicht wird.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 06.07.2026  13:00 Uhr

Bei der nun zurückgezogenen Arbeit handelt es sich um die Ergebnisse einer Phase-III-Studie, die ein Autorenteam um Dr. Zhe Huang von der Central South University in Changsha, China, Anfang Februar 2026 im Fachjournal »Nature Medicine« veröffentlicht hatte. Die Gruppe bestätigte damit frühere eigene Arbeiten, wonach eine vormittags verabreichte Tumortherapie besser wirksam und verträglich sei als bei nachmittäglicher Gabe. Die Forschenden führten dies auf einen zirkadianenen Rhythmus in der Regulation des Immunsystems zurück.

Die berichteten Unterschiede waren jedoch so enorm, dass in der wissenschaftlichen Community kurze Zeit später Zweifel an der Studie laut wurden. Die »Nature«-Redaktion leitete daraufhin eine formelle Untersuchung des Falls ein. Nun steht das Ergebnis fest: Die Studie wird zurückgezogen.

Unstimmigkeiten bei Kernelementen der Studie

In ihrer Begründung für diesen Schritt berichtet die »Nature«-Redaktion von großen Unstimmigkeiten rund um die Publikation. So habe es zu Kernelementen wie Endpunkten, Einschlusskriterien, Gruppengrößen und dem Design der Studie widersprüchliche Angaben gegeben und sie seien im Verlauf geändert worden. Zudem seien in dem ins Englische übersetzten Studienprotokoll, das ins Jahr 2022 datiert war, Studien aus den Jahren 2023 und 2024 referenziert gewesen. Eine genauere Untersuchung habe weitere Diskrepanzen zwischen dem Original-Protokoll in chinesischer Sprache und der Übersetzung zutage gefördert.

Weitere Auffälligkeiten beträfen unter anderem »ungewöhnliche Datenmuster«, die Abwesenheit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW), die zum Studienabbruch führten, und die ähnliche Häufigkeit von immunvermittelten UAW in beiden Studienarmen trotz Unterschieden in der Wirksamkeit. Zwar hätten die Autoren mittlerweile eine mit einem Zeitstempel versehene Version des Original-Studienprotokolls sowie zertifizierte Übersetzungen nachgereicht, doch »wegen Art und Menge der identifizierten Probleme haben die Herausgeber kein Vertrauen mehr in die Integrität der Ergebnisse«.

Wie es nun mit dem Konzept der Chronopharmakologie weitergeht, wird sich zeigen. Prinzipiell ist der Ansatz, den Zeitpunkt einer Therapie auf die Aktivität des Immunsystems abzustimmen, sehr interessant. Zweifellos müssen aber zuerst handfeste Wirksamkeitsnachweise aus klinischen Studien her, bevor eventuell zeitliche Abläufe in onkologischen Behandlungseinrichtungen geändert werden. Alles andere würde Patienten unnötig verunsichern. Ein Gutes hat die Causa aber: Sie zeigt, dass das System der gegenseitigen Kontrolle und nötigenfalls Korrektur innerhalb der Wissenschaft bei dieser Studie offensichtlich funktioniert hat.

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