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Yamanaka-Faktoren
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Erste Studie zur zellulären Verjüngung am Menschen

Lässt sich eine gealterte Zelle wie eine biologische Uhr zurückdrehen, sodass sie neue Kraft erhält, ohne ihre spezialisierte Funktion zu verlieren? Genau das verspricht ein junges Forschungsfeld. Erstmals soll das Konzept nun am Menschen getestet werden.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 09.04.2026  13:00 Uhr

Von der Maus zum Menschen

Die präklinischen Ergebnisse der vergangenen Jahre sind bemerkenswert. In Mausmodellen verbesserte die vorrübergehende Ein- und Ausschaltung der Expression der Yamanaka-Faktoren die Geweberegeneration in Muskeln und Bauchspeicheldrüse, reduzierte Narbengewebe, stärkte die Herzregeneration nach Verletzung und verlängerte die Lebensspanne von Tieren mit Progerie, einer Erkrankung, die beschleunigtes Altern verursacht. Besonders bedeutsam war eine Studie, in der gezeigt wurde, dass nach systemischer Verabreichung von drei der vier Faktoren keine Tumore entstanden, aber mehrere Gesundheitsparameter sich verbesserten und die Tiere länger lebten. Der Faktor, der weggelassen wurde, war das Onkogen c-Myc,

Jüngste Experimente gehen noch weiter. Hier gelange es Forschenden aus der Schweiz, sogenannte Engramm-Zellen in gealterten Mäusen und in Alzheimer-Tiermodellen partiell umzuprogrammieren. Diese Zellen sind die für die Speicherung von Erinnerungen zuständig. Die Tiere zeigten danach verbesserte Gedächtnisleistungen; krankhafte epigenetische Muster in diesen Zellen wurden auf ein normaleres Profil zurückgesetzt.

Die erste Studie am Menschen

Das Biotechnologieunternehmen Life Biosciences aus Boston, mitgegründet von dem bekannten Harvard-Altersforscher Professor Dr. David Sinclair, wird voraussichtlich als erstes Unternehmen den Schritt in die Anwendung am Menschen wagen. In einer Phase-I-Studie sollen zunächst bis zu zwölf Patienten mit einem Glaukom behandelt werden.

Mithilfe eines viralen Vektors werden die Gene dreier Yamanaka-Faktoren in die Netzhaut des betroffenen Auges einzuschleust. Damit die Gene nicht unkontrolliert aktiv sind, werden sie durch einen Schalter reguliert, der die Expression nur in Gegenwart eines Antibiotikums aktiviert. Vorversuche an Affen hätten keine Hinweise auf Krebs oder andere schwerwiegende Nebenwirkungen ergeben, heißt es von dem Unternehmen.

Ob die Behandlung tatsächlich funktioniert, wird diese erste Studie noch nicht belastbar beantworten. Skeptiker merken zudem an, dass die Wiederherstellung von Nervenwachstum im Auge nicht zwingend gleichbedeutend ist mit einer echten Umkehr des Alterungsprozesses.

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