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Covid-19

Erste Studie mit deutschem Vektorimpfstoff kann starten

Das Paul-Ehrlich-Institut hat eine weitere Phase-I-Studie mit einem potenziellen Impfstoff gegen Covid-19 in Deutschland genehmigt. Nach zwei mRNA-Vakzinen kann nun ein Vektorimpfstoff getestet werden. Die Impfungen sollen noch im Oktober beginnen.
Christina Hohmann-Jeddi
02.10.2020  14:58 Uhr

Bei dem Impfstoffkandidaten handelt es sich um einen Vektorimpfstoff auf Basis eines modifizierten Pockenvirus (Modified-Vaccinia-Ankara-Virus, MVA). Das teilte das Paul-Ehrlich-Institut in Langen heute zusammen mit den Antragsstellern der Studie in einer Pressekonferenz mit. In den MVA-Vektor wurde die Erbinformation für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 integriert, das im Körper des Geimpften produziert wird und eine Immunreaktion auslöst. Entwickelt wurde der Impfstoffkandidat von Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Pharmapartner und Hersteller des Impfstoffs ist die Firma IDT Biologika.

Die Forscher konnten dabei auf Erfahrungen mit dem Impfvirus MVA zurückgreifen, das bereits vor mehr als 30 Jahren an der LMU entwickelt wurde und auch die Basis des bereits seit 2013 in der EU zugelassenen Pockenimpfstoffs Imvanex®ist. »MVA ist in Säugetierzellen nicht mehr vermehrungsfähig«, berichtete Professor Dr. Gerd Sutter von der LMU. »Der Vektor hat gute Stabilitäts- und Wachstumseigenschaften und führt zur Produktion des vollständigen, reifen Spike-Proteins.« In Untersuchungen mit Mäusen rief der Kandidat MVA-SARS-2-S Antikörper- und T-Zellantworten hervor, und zeigt eine Schutzwirkung nach Infektion mit dem Coronavirus.

Klinische Prüfung am UKE

Nun startet die klinische Prüfung des Corona-Impfstoffkandidaten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). An der Open-Label-Phase-I-Studie sollen insgesamt 30 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren teilnehmen, berichtete die Studienleiterin Professor Dr. Marylyn Addo vom UKE. Jeweils 15 Probanden erhalten den Impfstoff in zwei verschiedenen Dosierung in zwei Impfungen im Abstand von 28 Tagen.

Die Arbeitsgruppe am UKE und der DZIF-Partner in Marburg messen parallel die Bildung von Antikörpern und T-Zellen im Körper und vergleichen diese mit der Immunreaktion von genesenen Covid-19-Patienten. Primäres Ziel der Studie sei es, die Sicherheit und Verträglichkeit zu testen, berichtete Addo. Sekundäres Ziel ist die Quantifizierung der bindenden Antikörper gegen das Spike-Protein und die Ermittlung der Serokonversionsraten.

Gute Daten aus der Phase-I-Studie vorausgesetzt, soll sich im vierten Quartal dieses Jahres eine Phase-II-Studie mit 600 Probanden anschließen, berichtete Addo. Eine Phase-III-Studie mit mehr als 20.000 Teilnehmern ist für 2021 geplant.

Bei der Entwicklung ihrer Covid-19-Vakzine konnten die Forscher auf Erfahrungen mit einem Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus zurückgreifen, der auch auf einem MVA-Vektor beruht. Er wurde ebenfalls am UKE getestet, berichtete Addo. Der Kandidat wurde gut vertragen und führte bei alle Patienten in der Gruppe mit der höheren Dosis zu einer Antikörperbildung. Die Daten wurden im April im Fachjournal »The Lancet Infectious Diseases« vorgestellt.

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