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Prostatakrebs

Enzalutamid verlängert Gesamtüberleben

Männer mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit hohem Metastasierungsrisiko überleben unter Enzalutamid (Xtandi®) länger als unter konventioneller Therapie. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht daher einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen.
Kerstin A. Gräfe
18.08.2020  14:00 Uhr

Basis der Bewertung sind neue Daten der Studie PROSPER, die das IQWiG bereits 2018 und 2019 begutachtete. Damals konnte kein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, einem abwartenden Vorgehen unter Beibehaltung der konventionellen Androgendeprivationstherapie, abgeleitet werden. Da die Studie aber noch lief, hatte der Gemeinsame Bundesausschuss seinen entsprechenden Beschluss befristet. Mittlerweile ist die Studie abgeschlossen und das IWQiG hat die Daten erneut bewertet.

Die nunmehr dritte Auswertung ergab für die Endpunkte Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität gegenüber der Erstbewertung keine neuen Erkenntnisse. Ein Zusatznutzen sei jeweils nicht belegt, so das IQWiG. Hingegen gebe es nun beim Endpunkt Mortalität einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen: Im Enzalutamid-Arm der Studie überlebten die Patienten im Mittel deutlich länger als im Vergleichsarm.

Im Endpunkt Nebenwirkungen sei die Bilanz zwar durchwachsen, so das IQWiG. Dadurch seien aber nicht die Vorteile, insbesondere das längere Gesamtüberleben, infrage gestellt. Insgesamt resultiere aus der Bewertung ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen von Enzalutamid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.

Erst kürzlich hatte das IQWiG zwei weitere Wirkstoffe in der Indikation nicht metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom mit hohem Metastasierungsrisiko bewertet. Auch Apalutamid und Darolutamid bescheinigte das Institut einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie. Insofern wäre spätestens jetzt eine Studie sinnvoll, die diese drei Wirkstoffe direkt miteinander vergleicht, konstatiert das IQWiG. Eine solche Studie gebe es aber noch nicht.

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