Bereits bei Kinderwunsch sollten Frauen anfangen, Folsäure zu supplementieren, da eine ausreichende Versorgung mit diesem Mikronährstoff insbesondere in der Frühschwangerschaft wichtig ist. / © Getty Images/fotostorm
In der Schwangerschaft für zwei essen – dieser Ansatz ist lange überholt. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) besteht im ersten Trimester überhaupt kein zusätzlicher Kalorienbedarf. Im zweiten Trimester sind es 250 kcal und im dritten 500 kcal täglich. Dies gilt für normalgewichtige Frauen und wenn die gewohnte körperliche Aktivität beibehalten wird. Besteht bereits Übergewicht oder wird die tägliche Bewegung reduziert, sinkt der Energiebedarf entsprechend.
Während der Kalorienbedarf also mitunter überschätzt wird, wird der Bedarf an bestimmten Mikronährstoffen von vielen Frauen mit Kinderwunsch eher unterschätzt. Denn auch bei gesunder, ausgewogener und abwechslungsreicher Ernährung besteht bei manchen Mikronährstoffen ein Risiko für eine Unterversorgung. An erster Stelle stehen dabei Folsäure und Jod. Wer sich vegan ernährt, muss außerdem auf seine Vitamin-B12-Versorgung achten. Ebenfalls wichtig ist die Versorgung mit Eisen und Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, DHA).
So sollten Frauen nicht erst mit Beginn der Schwangerschaft, sondern bereits mit dem Kinderwunsch zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung täglich 400 µg Folsäure beziehungsweise eine entsprechende Menge anderer Folate zu sich nehmen, rät das Netzwerk Gesund ins Leben. Die Einnahme soll spätestens vier Wochen vor der Konzeption beginnen und bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden. Kommt es zu einer ungeplanten Schwangerschaft, sollen während des ersten Schwangerschaftsdrittels 800 µg Folsäure beziehungsweise eine entsprechende Menge anderer Folate supplementiert werden, um die Speicher rasch aufzufüllen.
Eine frühe Zufuhr ausreichender Folatmengen ist wichtig, um das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Fetus zu reduzieren. Der Verschluss des Neuralrohres erfolgt bereits vier Wochen nach der Konzeption. Zudem gibt es laut dem Netzwerk Hinweise, dass eine ausreichende Versorgung weitere positive Effekte für Mutter und Kind haben könnte, etwa ein geringeres Risiko für Frühgeburt oder perinatale Depression.
Während der Schwangerschaft spielt außerdem Jod für die neurologische und kognitive Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle. Bei einem ausgeprägten Mangel steigt das Risiko für entsprechende Erkrankungen. Laut dem Netzwerk Gesund ins Leben ist eine zusätzliche Gabe vor der Konzeption nicht erforderlich. Für die gesamte Zeit der Schwangerschaft empfiehlt es eine tägliche Ergänzung von 100 bis 150 µg Jod zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung. Die Empfehlung gilt für Frauen ohne Schilddrüsenerkrankungen. Ist eine solche Erkrankung bekannt, sollte die Dosierung mit dem Arzt abgestimmt werden.
Manche Frauen befürchten, dass eine zusätzliche Jodzufuhr schädlich sein könnte. Orientierung bieten hier Informationen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Danach gilt eine tolerierbare Obergrenze von insgesamt 600 µg Jod täglich für Erwachsene einschließlich Schwangeren für unbedenklich. Vorsicht ist jedoch geboten bei getrockneten Algen- und Seetangprodukten. Sie können sehr hohe und teils stark schwankende Jodgehalte aufweisen, die sich nachteilig auf die Schilddrüsengesundheit auswirken können.
Ein bis zwei Portionen fettreicher Seefisch können die Versorgung mit den wichtigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren sicherstellen. Eine ausreichende Versorgung war in Studien positiv mit der neurologischen Entwicklung und dem Wachstum des Fetus assoziiert. Allerdings verzichten inzwischen immer mehr Menschen auf den Verzehr – sei es aus Umweltschutzgründen (Überfischung der Meere) oder aufgrund einer möglichen Schadstoffbelastung, insbesondere mit Quecksilberverbindungen. Schwangeren, die keinen Fisch verzehren, wird empfohlen, täglich 200 mg DHA über ein Supplement zu sich zu nehmen. Einige Studien weisen darauf hin, dass unter anderem auch das Risiko für Präeklampsie, Frühgeburt sowie peri- und postpartale Depression reduziert werden kann.
Veganerinnen sollten außerdem auf ihre Versorgung mit Vitamin B12 achten, da dieses praktisch ausschließlich über Lebensmittel tierischer Herkunft aufgenommen wird. Die DGE schätzt den täglichen Bedarf auf 4 µg. Für Schwangere liegt er laut DGE bei 4,5 µg und für Stillende bei 5,5 µg.
Keine Supplementation in Eigenregie sollte bei Eisen erfolgen. Sie sollte nur bei nachgewiesenem Mangel vorgenommen werden, das heißt nach ärztlicher Untersuchung und Festlegung der erforderlichen Dosierung.