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Austausch von Biosimilars

Einsparpotenzial in Milliardenhöhe

Ein verstärkter Wettbewerb bei patentfreien biotechnologisch hergestellten Medikamenten könnte den Kassen jährliche Einsparungen in Milliardenhöhe bescheren. Das geht aus einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK( WIdO) hervor. Das Institut setzt daher auf die Umsetzung des aktuell geplanten Arzneimittelgesetzes zur sicheren Versorgung.
Ev Tebroke
01.02.2019  11:30 Uhr

Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), das am Mittwoch im Kabinett verabschiedet wurde, soll auch die Marktdurchdringung mit Biosimilars gefördert werden. Unter anderem durch Aut-idem Substitution in der Apotheke, wie sie bei Generika bereits seit 2007 gang und gäbe ist. Neben der Vereinbarung fester Versorgungsziele durch die Selbstverwaltung will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach einer Übergangsfrist von drei Jahren den Austausch bestimmter Biologika in der Apotheke verpflichtend machen.

Derzeit belaufen sich die Ausgaben für patentfreie biologische Arzneimittel auf jährlich 4 Milliarden Euro. Bei einem GKV-Gesamtmarkt in Höhe von 39,4 Milliarden Euro entspricht das einem Marktanteil von 10 Prozent. Mehr Wettbewerb bei biosimilarfähigen Arzneimitteln könnte den Kassen bereits jetzt Einsparungen in Höhe von knapp 3 Milliarden Euro bringen. Das geht aus einer aktuellen Analyse des WIdO hervor. Ausgangspunkt für diese Berechnungen sind dabei Preisnachlässe in Höhe von bis zu 70 Prozent, wie etwa in Großbritannien oder Norwegen üblich.

Verordnungsanteil derzeit nur 15 Prozent

Das Problem im Biologika-Markt ist, dass die teuren Originalpäparate auch nach Patentablauf noch lange den Markt dominieren und die kostengünstigeren Nachahmer (Biosimilars) zu wenig zum Einsatz kommen. Deren Verordnungsanteil innerhalb der jeweiligen Wirkstoffgruppe liegt den Analysen zufolge derzeit im Durchschnitt bei lediglich 15 Prozent. Die Kosteneinsparungen bleiben somit weit hinter den Möglichkeiten zurück. So wurden im Zeitraum Juli 2017 bis Juni 2018 gerade einmal Einsparungen in Höhe von 141 Millionen Euro realisiert, möglich wären laut Analyse aber schon jetzt 758 Millionen Euro, wenn konsequent das preiswerteste vergleichbare Biosimilar in der Therapie zum Einsatz käme.

Es zeige sich, dass die Marktdurchdringung mit zunehmender Zahl von Wirkstoff-Anbietern steigt und sich der Preisabstand zum Original vergrößert. Ein vermehrter Wettbewerb durch den forcierten Einsatz der Nachahmerpräparate würde das Preisniveau somit erheblich senken. Die Analyse verdeutlicht dies am Beispiel des umsatzstärksten Biologikum Humira® (Adalimumab), das seit Oktober 2018 keinen Patentschutz mehr besitzt. Derzeit liege der Preisrückgang bei Adalimumab schon bei 37 Prozent – deutlich mehr als beim Durchschnitt der Biologika, wo im Mittel über alle in Markt befindlichen Präparate nur gut 17 Prozent erreicht werden. Das WIdO setzt daher große Hoffnung in die geplanten Regelungen im GSAV, insbesondere in die verpflichtende Substitution von Biologika durch Biosimilars in der Apotheke. Voraussetzung sei, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Austauschbarkeit vorab festgestellt hat.

»Biosimilars können sowohl zur Neueinstellung als auch im Austausch für das Originalbiologikum eingesetzt werden«, so der Vizegeschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder. Er weist darauf hin, dass die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in ihrem Leitfaden Biosimilars sowohl für die Erst- als auch für die Folgeverordnung empfiehlt.

Dies würde den Wettbewerbsdruck auf die Hersteller enorm erhöhen und die Kosten der GKV erheblich senken bei gleichbleibend hoher Therapiequalität für Patienten. Das geplante GSAV stelle einen wichtigen Schritt zu mehr Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung dar, so das Fazit. Über den Regierunsgentwurf berät nun der Bundestag. Auch der Bundesrat muss dem Gesetz zustimmen. Das GSAV soll voraussichtlich noch vor der Sommerpause in Kraft treten.

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