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Apotheker ohne Grenzen

Eine Tüte Alltagshygiene für Obdachlose

In der andauernden Corona-Pandemie will die Hilfsorganisation Apotheker ohne Grenzen (AoG) möglichst viele Obdachlose in Deutschland mit einem persönlichen Alltagshygiene- und Körperpflegepaket ausstatten – und ruft dazu bundesweit Apotheken und Unternehmen zu Sach- und Geldspenden auf.
Christiane Berg
18.02.2021  10:30 Uhr

»Unser Ziel ist die Versorgung von über 10.000 Obdachlosen durch die einmalige Abgabe einer Hygiene-Tüte, die wichtige Hygieneutensilien wie FFP2-Masken, Taschentücher, Hustenbonbons, Seife, Einmalrasierer, Pflaster, Intimtücher, OP-Masken, Lippenpflege, Zahnbürsten, Einmalhandschuhe, Körperlotion, Desinfektionsgel und/oder Mundspülung enthält. Wir rufen alle Apotheken, Pharmaunternehmen und Förderer auf, unsere Aktion mit Spenden zu unterstützen«, so die Hilfsorganisation in einer aktuellen Mitteilung.

Die Sachspenden werden zentral in Mainz gesammelt, wo sie von ehrenamtlichen Mitgliedern sortiert, abgepackt und verschickt werden. Die Verteilung der Tüten übernehmen die ehrenamtlichen Mitglieder der 15 Regionalgruppen zwischen Kiel und Freiburg, die mit lokalen Hilfseinrichtungen kooperieren. In Mainz, Berlin und Frankfurt/Main unterstützt AoG bereits seit Jahren entsprechende Notfallambulanzen bei der pharmazeutischen Betreuung von Obdachlosen. »Bedürftige Menschen in aller Welt mit pharmazeutischer Kompetenz und sicheren Arzneimitteln besser zu versorgen und nachhaltige Gesundheitsstrukturen aufzubauen – das bleibt das Kernziel unseres Vereins«, unterstreicht Kira Morandin, Mitglied der AoG-Geschäftsstelle.

»Doch nicht nur die Menschen in Nepal, Kongo oder Mexiko brauchen unsere Hilfe. Wir wollen auch in Deutschland ein Zeichen setzen und während der Corona-Pandemie möglichst viele obdachlose Menschen mit einer Tüte Alltagshygiene erreichen. Dazu setzen wir auf Kooperationen mit Hilfseinrichtungen vor Ort, die mit großem Engagement jeden Tag viele tausend Menschen mit Lebensmitteln versorgen«, so Morandin.

Ihr eindringlicher Appell an Apotheken und Unternehmen lautet, sich an dieser bundesweiten Aktion zu beteiligen: »In diesen schwierigen Pandemie-Zeiten müssen wir alle zusammenstehen«, betont die AoG-Referentin für Fundraising und Koordinatorin der Obdachlosen-Aktion.

AoG liege bis zum heutigen Tag schon eine Anfrage zu mehr als 8.000 Hygiene-Tüten vor. »Die Zahl steigt täglich und das positive Feedback der Obdachlosen-Organisationen bestätigt uns ins unserem Vorhaben, bei dem wir auf jede Hilfe angewiesen sind«, so Morandin. Daher seien auch Geldspenden willkommen, mit denen die Logistik-Kosten abgedeckt sowie noch fehlende Utensilien für die Hygiene-Tüten erworben werden können.

Als gemeinnützige Organisation mit mehr als 2.000 Mitgliedern zählt Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. zum weltweiten Netzwerk von »Pharmaciens sans Frontières«. Seit der Gründung im Jahr 2000 leistet die Organisation schnelle pharmazeutische Nothilfe nach Katastrophen und setzt langfristige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in Ländern wie Philippinen, Nepal, Tansania, Kongo, Mexiko und Argentinien um.

Konnte der Verein im vergangenen Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiern, so hat der AoG-Vorstandsvorsitzende Jochen Schreeck bereits anlässlich dieses Jubiläums mit Verweis auf die Covid-19-Krise deutlich gemacht: »Wir sind uns bewusst, dass schwierige Zeiten auf uns zukommen werden, sowohl was unsere finanziellen und personellen Ressourcen als auch unsere bisherigen Arbeitsweisen angeht. Aber wir wären nicht Apotheker ohne Grenzen, wenn wir nicht weiter über diese Grenzen hinwegschauen würden.«

Ob welt- oder bundesweit: Die Hilfsorganisation bleibe aktiv und werde mit ihrer pharmazeutischen Kompetenz, ihren Erfahrungen und ihrer guten Vernetzung gemeinsam mit ihren lokalen Partnern versuchen, den Kampf gegen Covid-19 zu gewinnen und Menschenleben zu retten, betonte er.

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