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Gesünder als gedacht
Eine Neupositionierung von Kaffee und Koffein

Pharmazeutischer Einsatz von Koffein

Der Zusatz von Koffein zu Analagetika ist bekanntlich äußerst umstritten. Allerdings lässt sich ein Trend beobachten, nachdem Kombinationsanalgetika von einem Teil der Patienten als wirksamer empfunden werden.

Nachteilig ist, dass Koffein Angstzustände hervorrufen kann, insbesondere dann, wenn höhere Dosen (>200 mg pro Dosis oder >400 mg pro Tag) von empfindlichen Personen, eingenommen werden. Dabei sind die interindividuellen Unterschiede teils beachtlich.

Wird ein regelmäßiger Koffeinkonsum abrupt eingestellt, kann es zu Entzugssymptomen kommen, darunter Kopfschmerzen, Müdigkeit, verminderte Wachsamkeit, depressive Stimmung und selten grippeähnliche Symptome. Diese Symptome werden am stärksten ein bis zwei Tage nach dem Absetzen des Koffeins wahrgenommen und verschwinden nach zwei bis neun Tagen.

Toxische Effekte

Zu den Nebenwirkungen von Koffein bei sehr hohen Dosen zählen Angst, Unruhe, Nervosität, Dysphorie, Schlaflosigkeit, psychomotorische Unruhe und ein weit schweifender Gedanken- und Sprachfluss. Diese Effekte treten ab einer Einnahme von 1,2 g oder mehr auf. Eine Dosis von 10 bis 14 g gilt als tödlich. Koffeinbedingte Todesfälle sind im Allgemeinen auf sehr hohe Dosen von Koffein aus Tabletten oder Nahrungsergänzungsmitteln zurückzuführen. Betroffen sind meist Sportler oder psychiatrische Patienten.

In Fallberichten wurde ein hoher Konsum von Energiegetränken (circa 1 Liter beziehungsweise 320 mg Koffein), insbesondere in Verbindung mit Alkohol, mit unerwünschten kardiovaskulären, psychologischen und neurologischen Ereignissen, einschließlich tödlicher Ereignisse, in Verbindung gebracht. Daher sollte der Koffeingehalt von Energy-Drinks bewusst wahrgenommen und ein hoher Konsum (>200 mg Koffein) oder ein Konsum in Kombination mit Alkohol vermieden werden.

Gesundheitliche Bedenken gegenüber Kaffee und Koffein

Bei Personen, die nicht an Koffein gewöhnt sind, erhöht die Koffeinzufuhr kurzfristig den Adrenalinspiegel und den Blutdruck. Innerhalb einer Woche entwickelt sich allerdings bereits eine Wirkungstoleranz, die aber bei einigen Personen unvollständig sein kann.

In Studien mit koffeinhaltigem Kaffee wurde jedoch kein wesentlicher Effekt des Konsums auf den Blutdruck gefunden, auch nicht bei Personen mit Bluthochdruck. Möglicherweise antagonisieren andere Bestandteile des Kaffees, wie Chlorogensäure, den blutdrucksteigernden Effekt des Koffeins. Auch in prospektiven Kohortenstudien war der Kaffeekonsum nicht mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck assoziiert.

Die Konzentration der cholesterolsteigernden Verbindung Cafestol ist in ungefiltertem Kaffee hoch, in Espresso mäßig und in tropfgefiltertem Kaffee vernachlässigbar gering. In randomisierten Studien erhöhte ein hoher Konsum von unfiltriertem Kaffee (Median 6 Tassen pro Tag) im Vergleich zu Filterkaffee den LDL-Cholesterolspiegel um 17,8 mg pro Deziliter (0,46 mmol pro Liter). Daraus lässt sich ein um etwa 11 Prozent höheres Risiko für kardiovaskuläre Grunderkrankungen berechnen. Im Gegensatz dazu erhöhte Filterkaffee den Cholesterolspiegel im Serum nicht.

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