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Neuropathische Schmerzen
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Eine gute Basistherapie ist das A und O

Neuropathische Schmerzen können aufgrund ihrer hohen Intensität und der teils schwierigen Behandlung großen Leidensdruck verursachen. Worauf es bei der Therapie ankommt, erklärte ein Schmerzmediziner beim Webinar »pDL Akademie« von Pharma4u.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 21.11.2025  16:20 Uhr

Medikamentöse Behandlung

Der Arzt bedauerte, dass noch immer häufig Ibuprofen verschrieben wird – das bei neuropathischen Schmerzen keinerlei Effekt hat. Als Mittel der ersten Wahl gelte die lokale Behandlung mit einem Lokalanästhetikum wie Lidocain oder dem TRPV1-Agonisten Capsaicin. Letzterer reduziert die Weiterleitung von Schmerzreizen über periphere Rezeptoren für eine gewisse Zeit deutlich, indem er diese durch Hyperstimulation blockiert. Zur zweiten Wahl zählten Antikonvulsiva sowie Antidepressiva mit noradrenerger Wiederaufnahmehemmung. Erst danach kämen Cannabinoide (mit einem CBD-Anteil ≥ THC) und schließlich Opioide in Betracht.

Zu nicht medikamentösen Verfahren wie Physiotherapie oder transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) sagte Überall: »Jede Maßnahme, die möglicherweise Erfolg verspricht und dabei nebenwirkungsarm ist, ist sinnvoll. Ausprobieren und beenden, wenn sie nichts bringt, oder fortführen, wenn sie hilft.« Fairerweise müsse man jedoch ergänzen, dass die Wirksamkeit aller Maßnahmen bei Neuropathie insgesamt gering sei.

Fallbeispiel

Nach seinem Vortrag begutachtete der Schmerzmediziner einen Patientenfall, den Apothekerin Tanja Danek von der Jahreszeiten-Apotheke York-Center in Münster ins Seminar eingebracht hatte. Es handelte sich um einen 74-jährigen, insgesamt recht fitten Mann mit Typ-2-Diabetes, der über neuropathische Schmerzen klagte. Diese waren 2016 diagnostiziert worden und traten vor allem nachts auf. Zusätzlich berichtete der Patient über Gewichtszunahme (BMI 29) und Libidoverlust.

In den ersten drei Jahren nach der Diagnose erhielt er Gabapentin, das bis zur Höchstdosis auftitriert wurde. 2019 erfolgte ein Wechsel auf Pregabalin. Außerdem nahm der Patient Amitriptylin sowie verschiedene Schmerzmittel: Novaminsulfon und bei Bedarf Hydromorphon; wegen Rückenbeschwerden wurde zusätzlich Ibuprofen verordnet. Aufgrund weiterer Erkrankungen wie Diabetes und Prostatahyperplasie war die Medikation insgesamt sehr umfangreich.

Arzneimittel Dosierung Grund
Finasterid 5 mg 1-0-0 Prostatahyperplasie
Tadalafil 5 mg 1-0-0 Harnblasenentleerungsstörung infolge benigner Prostatahyperplasie
Ibuprofen 600 mg keine Angabe Rückenschmerzen
Pregabalin 150 mg 1-0-1 neuropathischer Schmerz
Amitriptylin 8,84 mg 0-0-1 neuropathischer Schmerz
Metformin 1000 mg 1-0-1 Typ-2-Diabetes
Hydromorphon 2 mg retard k.A. Polyneuropathie, hat er für den Notfall dabei
Novaminsulfon 500 mg k.A. Schmerzen
Vitamin B-Komplex forte k.A. Vitamin B12-Mangel
Magnesium 400 mg 0-0-1 Krämpfe
Melatonin 0,5 mg 0-0-1 Schlafstörung
Vitamin D3 1000 I.E. 1-0-0 Vitamin-D-Mangel
Omega-3-Öl plus Vitamin D 1-0-0 k.A.
Kurkuma-Kapseln 1-0-0 Rückenschmerzen
Medikamente des Patienten

Im Seminar erarbeiteten die Teilnehmenden drei zentrale Optimierungsvorschläge, die sie anschließend mit dem Arzt diskutierten. Sie empfahlen, Amitriptylin – das als Nebenwirkung Gewichtszunahme begünstigt – gegen Duloxetin auszutauschen. Außerdem sollten die Pregabalin-Dosis sowie die Vielzahl an Schmerzmitteln (Hydromorphon, Ibuprofen und Metamizol) reduziert werden.

»Der Patient nimmt sehr viele Medikamente, und ein klares Konzept fehlt ein bisschen«, kommentierte Überall die Ausgangssituation. Hydromorphon 2 mg als Retardformulierung sei als Bedarfsmedikation nicht sinnvoll. Den Vorschlägen der Teilnehmenden stimmte er zu: »Was ganz klar Sinn macht: Pregabalin und Amitriptylin raus, Ibuprofen und Hydromorphon ebenfalls weg.« Duloxetin sei als Therapieoption »sicher eine gute Idee«, auch weil dieser Wirkstoff für die Behandlung der diabetischen Neuropathie zugelassen ist.

Kritisch äußerte sich der Arzt zur Akutmedikation, die bei neuropathischen Schmerzen keinen Nutzen habe. »Die akuten Exazerbationen, die der Patient beschreibt, sind so kurzzeitig – dagegen kann er gar nichts machen. Er kann sie nur präventiv, aber nicht unmittelbar behandeln. Reaktive Therapien bei neuropathischen Schmerzen bringen nichts.« Entscheidend sei vielmehr eine stabile Basistherapie.

Gegen die Schlafstörungen empfahl Überall ein niedrig dosiertes, CBD-dominantes Cannabispräparat (beispielsweise mit einem CBD/THC-Verhältnis von 2:1), da es auch gegen neuropathische Schmerzen wirke. Die Kombination mit Duloxetin sei eine gute Möglichkeit, um den Schlaf zu verbessern. »Wenn der Patient dies als stabile Basistherapie bekommt, sollten sich aus schmerzmedizinischer Sicht die meisten Probleme erledigt haben«, schloss der Referent.

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