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Apothekerin auf Intensivstation

Ein besonderer Arbeitsplatz

Teamfähigkeit und Belastbarkeit

»Als Stationsapothekerin auf der Intensivstation trage ich eine hohe Verantwortung, die Ärzte müssen sich auf meinen Rat verlassen können. Wichtig ist meiner Ansicht nach neben einem hohen Maß an persönlicher Verbindlichkeit vor allen Dinge eine große Freude an der Arbeit. Man muss engagiert und belastbar sein. Zudem müssen man Lust auf sich ständig ändernde Erkenntnisse haben. Man ist nie fertig. Hinzu kommt ein hohes Maß an Teamfähigkeit – man hat mit hoch spezialisierten Ärzten und Pflegern zu tun, man wird zu einem Teil des Behandlungsteams. Und man muss, obwohl man hauptsächlich auf Station arbeitet, auch zwingend in engem Kontakt zur Krankenhausapotheke stehen, um beispielsweise über drohende Lieferengpässe informiert zu bleiben.«

Wichtig sei vor allem ein ruhiges, strukturiertes Arbeiten. »Obwohl wir uns wann immer möglich an Standardanweisungen halten, muss man mit Unsicherheiten umgehen können und diese auch kommunizieren«, so Horn. Vor allem dürfe man nicht hektisch werden und in der Freizeit auch gut abschalten können. »Fehler lassen sich leider nicht immer vermeiden – daher gehören auch Selbstreflexion und ein adäquates Fehlermanagement zur Arbeit dazu.«

Wie fängt man an?

»Schauen Sie sich erst einmal um, gehen Sie mit auf Visite, lesen Sie die vorhandenen Standards und lernen Sie die Abläufe kennen«, riet Horn allen Apothekern, die sich auf einer Intensivstation einbringen wollen. »Suchen Sie sich erst nur einen einzigen Aspekt heraus, wo Sie Handlungsbedarf sehen und sich einbringen können. Wie beim Infusionsmanagement – da gibt es viele Grundlagen und einiges an Literatur. Hier können Sie dabei helfen, Standards zu erstellen. Das eignet sich gut, um Kompetenzen aufzubauen und schnell umsetzbare Vorschläge zu machen.«

Viele Intensivpatienten am UKM haben Zentralvenenkatheter (ZVK) mit vier Lumen, brauchen aber oft mehr als vier intravenöse Medikamente. Hier müsse man überlegen, wie man die Lumen am besten belegen kann, und auch, welche Arzneimittel sich chemisch-physikalisch vertragen und, verbunden durch ein sogenanntes Y-Stück, über ein Lumen infundiert werden können. Allein hiermit lasse sich bereits viel erreichen. »Wir haben standardisierte Applikationsschemata für jeden Bereich geschaffen«, so Horn. Propofol zum Beispiel sollte man, wenn möglich, immer einzeln laufen, weil es sich um eine weiße Fettemulsion handelt und man nicht sehen könne, wenn Wirkstoffe durch Inkompatibilitäten im Katheter ausfallen würden.

Zum Infusionsmanagement gehört auch, die verabreichten Volumen wenn möglich zu verringern. »Manche Patienten würden bei der Zubereitung von Infusionen nach Fachinformation vier bis fünf Liter Lösungsmittel bekommen, was gerade bei Herzinsuffizienz-Patienten unbedingt zu vermeiden ist. Herauszufinden, wie hier Volumen eingespart werden kann, ist eine nicht zu vernachlässigende Aufgabe für den Apotheker«, meinte Horn.

Hat man sich in ein Gebiet eingearbeitet, könne man die Tätigkeiten langsam erweitern, zum Beispiel wie sich ein Nierenersatzverfahren oder eine Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) auf die Arzneimitteldosierung auswirke. Hier seien sehr viele Aspekte zu bedenken, dass Wissen darum erweitere sich dauernd. »Dokumentieren Sie Erlerntes nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Behandlungsteam und die anderen Stationsapotheker. Lesen Sie viel und besuchen Sie Kongresse – und scheuen Sie sich nicht, viel zu fragen, denn nur so können Sie sich komplexen Fragestellungen nähern und kommen voran.« 

»Die Arbeit ist zwar sehr herausfordernd, aber es macht viel Spaß und man selbst kann einen wichtigen Einfluss auf die Arzneitherapie haben«, betonte Horn. »Jeder Tag ist anders und immer wieder spannend. Man lernt jeden Tag Neues und erweitert stetig die Grenzen seines Wissens. Es gibt pharmazeutisch noch viel zu tun, um die Betreuung von Intensivpatienten zu verbessern.« Für Dagmar Horn ist die Arbeit auf Intensivstationen Teil »des besten Arbeitsplatzes der Welt«.

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