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Drei neue Studien

Effekt von Tocilizumab bei Covid-19 bleibt unklar

Am Dienstag sind die Ergebnisse von gleich drei Studien zur Gabe des Interleukin-6-Hemmers Tocilizumab (RoActemra®) im Fachjournal »JAMA Internal Medicine« erschienen. Klarheit über den Nutzen des Medikaments bei Covid-19 bringen sie jedoch nicht.
Daniela Hüttemann
21.10.2020  15:00 Uhr

Schon zu Beginn der Pandemie unternahmen chinesische Ärzte Therapieversuche mit Tocilizumab bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten, um die überschießende Immunreaktion des Körpers in den Griff zu bekommen. Erste Ergebnisse nicht randomisierter Beobachtungsstudien ließen hoffen. In den USA wurde der monoklonale Antikörper sogar vielerorts off label als Standard bei schweren Verläufen gegeben.

Schon die bereits zuvor veröffentlichten randomisierten, prospektiven und auch placebokontrollierten Studien  COVACTA und EMPACTA mit mehreren hundert Covid-19-Patienten hatten ein differenziertes Bild ergeben: Während bei COVACTA mit schwer und kritisch kranken Probanden der primäre Endpunkt, eine Verbesserung des klinischen Status nach 28 Tagen, nicht erreicht werden konnte und sich kein Unterschied bei den Todesraten zeigte, verlief die EMPACTA-Studie positiver.  Hier wurden die Wahrscheinlichkeit für eine künstliche Beatmung gesenkt.

Am Dienstag kamen nun die Ergebnisse von drei weiteren Studien hinzu: STOP-COVID, eine retrospektive Beobachtungsstudie aus den USA sowie RCT-TCZ-COVID-19 aus Italien und CORIMUNO-TOCI-1 aus Frankreich (beide randomisiert prospektiv).

Mit Abstand die größte Studie ist die STOP-COVID-Studie mit knapp 4000 schwer und kritisch kranken Patienten mit verschiedenen Studienarmen, von denen 433 mit Tocilizumab behandelt wurden (DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.6252). Bei den kritisch kranken Patienten, die Tocilizumab innerhalb der ersten zwei Tage auf der Intensivstation erhalten hatten, lag die Sterblichkeit im Krankenhaus niedriger als unter alleiniger Standardbehandlung. Die 30-Tage-Mortalität sank insgesamt von 37,1 auf 27,5 Prozent. Damit betrug die relative Risikoreduktion 9,6 Prozent. Demnach könnte eine frühzeitige Behandlung mit Tocilizumab das Sterberisiko reduzieren, allerdings müssten dies weitere randomisierte Studien bestätigen, folgern die Autoren.

An der RCT-TCZ-COVID-19-Studie nahmen 126 italienische Covid-19-Patienten teil, die zwar im Krankenhaus, aber nicht auf der Intensivstation behandelt wurden, von denen 60 Tocilizumab erhielten (DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.6615). Primäre Endpunkte waren die Notwendigkeit für eine Verlegung auf die Intensivstation oder eine invasive Beatmung, eine klinische Verschlechterung oder Tod. Hier fand sich kein Effekt auf die Krankheitsprogression im Vergleich zur Standardbehandlung. Die Sterberate betrug 3,3 versus 1,6 Prozent. Auch hier fordern die Autoren weitere verblindete, placebokontrollierte, randomisierte Studien für Tocilizumab in den verschiedenen Krankheitsstadien.

Einen Hinweis auf einen Nutzen von Tocilizumab ergab sich dagegen in der französischen CORIMUNO-TOCI-1-Studie mit 131 schwer kranken Covid-19-Patienten, von denen 63 Tocilizumab erhielten (DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.6820). Die Patienten waren im Krankenhaus und auf Sauerstoffzufuhr angewiesen, aber noch nicht auf der Intensivstation. Zwar verbesserte sich der Symptomscore nach vier Tagen nicht merklich, aber die Gabe des IL-6-Antikörpers könnte das Risiko für eine nicht-invasive Beatmung, eine mechanische Beatmung sowie den Tod bis Tag 14 reduziert haben. An Tag 28 fand sich kein Unterschied in den Sterblichkeitsraten. Auch hier fordern die Autoren weitere Studien.

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