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Elektronische Patientenakte

E-Patientenakte startet mit technischen Problemen

Ab dem 1. Juli 2021 müssen Arztpraxen in ganz Deutschland in der Lage sein, die elektronische Patientenakte (EPA) mit medizinischen Daten zu füttern. Darauf haben die Patienten einen gesetzlichen Anspruch. Noch ist die Hardware aber nicht überall auf dem neuesten Stand.
Jennifer Evans
29.06.2021  07:00 Uhr

Seit dem 1. Januar 2021 können gesetzlich Versicherte bei ihrer Kasse die elektronische Patientenakte (EPA) beantragen und die entsprechende App auf ihr Smartphone laden. Für die Versicherten ist die Nutzung der elektronischen Patientenakte freiwillig und kostenlos. Und sie allein entscheiden, welche Daten darauf gespeichert sein sollen und wer darauf zugreifen darf. Allerdings ist die EPA-App – anders als die Gematik-App für das E-Rezept – keine zentrale, halbstaatliche Lösung. Stattdessen entwickelt jede Kasse dafür ihr eigenes digitales Angebot.

Einige ausgewählte Arztpraxen in Westfalen-Lippe und Berlin haben bereits in der Testphase im ersten Quartal 2021 E-Akte mit medizinischen Daten befüllt. Während sich seit Beginn des zweiten Quartal 2021 auch schrittweise alle übrigen Arztpraxen angeschlossen haben, hatten die Hersteller parallel die Aufgabe, für die nötigen Updates der Praxis-Konnektoren zu sorgen. Und mit dem Start des dritten Quartals müssen nun alle Arztpraxen startklar sein, medizinische Informationen auf die E-Akte ihrer Patienten laden zu können – sonst droht Honorarabzug. Denn die Versicherten haben einen gesetzlichen Anspruch darauf. Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gegenüber der PZ bestätigte, sind nahezu alle Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten inzwischen an die Telematik-Infrastruktur (TI) angeschlossen. Allerdings seien die Updates aber noch nicht überall erfolgt. »Am Markt gibt es drei Hersteller, einer davon bietet derzeit das notwendige, zertifizierte Update an«, so KBV-Sprecher Roland Stahl zur PZ. Bei den anderen beiden sei die Aktualisierung zwar angekündigt, es sei es aber fraglich, ob es für diese Praxen fristgerecht verfügbar sei. »Gleiches gibt für die EPA-Anpassung der Praxisverwaltungssysteme (PVS) – auch hier sind nach unserem Stand noch nicht alle Anbieter zertifiziert«, berichtet Stahl. Es sei also weniger die Frage, ob die Praxen willig sind, die EPA ab Juli zu befüllen, sondern viel mehr, ob die Industrie die dazu nötigen Voraussetzungen rechtzeitig für alle liefern könne.

Gewährt der Patient einer Offizin Einsicht in seine EPA-Daten, hat sie künftig dessen therapierelevante Befunde, Allergien, Notfalldaten und den E-Medikationsplan im Blick. Neu abgegebene Arzneimittel kann der Apotheker dann ergänzen. Ziel der E-Akte ist es, die Arbeitsschritte in den Arztpraxen und Apotheken zu digitalisieren und damit in Zukunft Informationsverluste, Doppel- oder Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden. Bis zum 1. Januar 2023 muss die Gematik außerdem technisch sicherstellen, dass der elektronische Medikationsplan (EMP) sowie die elektronischen Notfalldaten nur noch in der EPA und nicht mehr auf der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) gespeichert sind.

Honorar für Apotheker steht noch aus

Die Ärzte und Krankenhäuser erhalten für das erstmalige Befüllen der EPA 10 Euro. Das sieht das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) so vor. Auch Krankenhäuser und Apotheken können später dann mit diesen Informationen arbeiten und Inhalte zufügen. Wie die Apotheker jedoch für das Ergänzen arzneimittelbezogener Daten in der EPA künftig einmal honoriert werden sollen, hängt noch vom Verhandlungsergebnis mit den Kassen ab. 

Die EPA gilt als das bislang größte medizinische IT-Infrastrukturprojekt im deutschen Gesundheitswesen, weil damit die Vernetzung von rund 200.000 Leistungserbringern sowie potenziell 73 Millionen Versicherten verbunden ist. Ein sogenannter Zukunftskonnektor ist bereits für das Jahr 2023 geplant. Weil bis dahin einige der Zertifikate aktueller Konnektoren ausgelaufen sein werden, prüft die Gematik gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, wie eine Zwischenlösung aussehen könnte, um einen Austausch der Konnektoren zu umgehen, bis die moderne Variante verfügbar ist.

Zum Download ihrer EPA-App brauchen die Patienten zunächst einen Zugang zum Mitgliederbereich ihrer Kasse. Die App gibt es dann im Google Play beziehungsweise Apple Store. Für die Registrierung selbst ist die Krankenversicherungsnummer, die PIN für die Gesundheitskarte sowie eine E-Mail-Adresse Voraussetzung. Für Patienten ohne Smartphone richtet die Kasse die E-Akte ein, sofern der Versicherte vorab eine entsprechende Teilnahmeerklärung unterschrieben hat.

Was die EPA für die Apotheken bedeutet, hat die Gematik in einem kurzen Video zusammengefasst.

 

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