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Arzneimittelsicherheit
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Drohen höhere Medikamentenpreise in Europa?

»Fast schon peinlich« findet Stefan Oelrich, Vorstandsmitglied des Pharmaunternehmens Bayer, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Mehrwert seines neuen Medikaments »Asundexian« nicht anerkennt. Darin sieht er eine Benachteiligung europäischer Produkte durch die EU. 
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 07.10.2026  14:30 Uhr

In Kooperation mit Bayer fand gestern eine Veranstaltung der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (F.A.Z.) statt. Damit erhielt Oelrich für eine halbe Stunde eine Bühne in einem One-on-one-Gespräch mit Jonas Jansen, Redakteur der F.A.Z. Dort spekulierte er über künftig höhere Arzneimittelpreise und weniger innovative Therapien in der Europäischen Union.

Mit Blick auf das Most-Favored-Nation-Prinzip (MFN), bei dem die USA die Medikamentenpreise an die niedrigsten Preise vergleichbarer Industrieländer koppeln, warnte er davor, dass vertragliche Vereinbarungen nicht zu niedrigeren Preisen in den USA, sondern zu höheren Preisen in Europa führen werden. »Man muss hinterfragen, ob die EU das kann und will.«

Mit »vertraglichen Vereinbarungen« meint er den Zolldeal, den die Europäische Union (EU) mit den USA vor gut einem Jahr abschloss. Darin ist ein Basiszollsatz von 15 Prozent für EU-Pharmaexporte vorgesehen, jedoch keiner für Exporte aus den USA. Daher entfiele jeder Grund, Arzneimittel von der EU in die USA zu exportieren, so sein Fazit.

Oelrich: Nachholbedarf im »Innovationsmarkt«

Bayer hat unlängst bekannt gegeben, dass das Unternehmen Milliarden in einen neuen Standort im US-Bundesstaat Ohio investieren will. Als die Investitionen publik wurden, gab es keinen Anruf aus der Politik, teilte Oelrich mit. Mit den Investitionen könne das Unternehmen die US-Zölle umgehen.

Das Pharmaunternehmen habe seine Forschung und Entwicklung von einer deutschlandzentrischen zu einer US-amerikanischen verschoben. Dennoch bleibe Deutschland der wichtigste Investitionsstandort. Früher sei die Produktion »fast exklusiv in Europa« gewesen. »Aber das ist jetzt vorbei.« Europa müsse sich überlegen, wie es weiterhin ein attraktiver Standort bleibe.

Nachholbedarf gebe es für die EU im Bereich »Innovationsmarkt«. Innovation sei der einzige Rohstoff Deutschlands. Doch in diesem Bereich seien die USA viel attraktiver. Er nannte das Medikament »Asundexian« als Beispiel, das erst in den USA eingeführt werden soll, bevor es in der EU zugelassen wird. Asundexian ist ein neuer, oral verabreichbarer gerinnungshemmender Wirkstoff (Faktor-XIa-Inhibitor), den Bayer zur Vorbeugung von Schlaganfällen entwickelt hat.

Die USA und China hätten dem Medikament ein beschleunigtes Prüfungsverfahren, ein sogenanntes Priority Review, gewährt, was die EU nicht getan habe. Somit hätte sie den Mehrwert des Produkts nicht erkannt. »Bereits da werden die europäischen Produkte benachteiligt«, sagte Oelrich. »Das finde ich fast schon peinlich.« Aus seiner Sicht nehme der Zugang zu Innovation in der EU dramatisch ab. »Ich habe so etwas noch nie gesehen«, so das Bayer-Vorstandsmitglied.

»Wir schaffen es aber nicht, eine Priorisierung zu setzen«

Im weiteren Verlauf fanden zwei Diskussionsrunden statt. Dominik Schumacher, Geschäftsführer des Biosimilars-Unternehmens Science Holding, beobachtet ein kontinuierlich hohes Interesse an Investitionen in Deutschland und der Europäischen Union. Hier gebe es gute Forschung und viele Patientinnen und Patienten. Allerdings sei es sehr schwierig, Produkte in der EU zuzulassen. Mit Blick auf die Biotech-Branche sagte er: »Weniger Hürden sehen und einfach machen. Dann werden auch die Hürden kleiner.«

Joachim Schultze, Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), bekräftigte, dass Spitzenforschung allein nicht ausreiche, um neue Innovationen auf den Markt zu bringen. Es bräuchte mehr Menschen mit Unternehmergeist an den Universitäten.

Auch Ulrike Elsner, die Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), war dabei. In Deutschland gebe es einen Markt von fast 80 Millionen Menschen, die krankenversichert seien. Innovation sei ein wichtiger Treiber. »Wir schaffen es aber nicht, Prioritäten zu setzen«, so Elsner.

Sebastian Kobold, Direktor und Facharzt am Institut für Klinische Pharmakologie des LMU Klinikums, plädierte für mehr Mut bei Investitionen. Europa solle nicht andere Länder kopieren, sondern sich auf Innovationen fokussieren, die es nur hier gibt.

Claudia Traidl-Hoffmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Umweltmedizin an der Universität Augsburg, sagte, dass die Nobelpreisträger bei ihrer Forschung nicht an Wirtschaftskraft oder Produkte gedacht hätten. Diese freie Forschung, wie sie an Universitäten bereits betrieben werde, sei notwendig. »Innovation braucht den Mut, Risiken einzugehen.«

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