| Daniela Hüttemann |
| 05.10.2026 12:10 Uhr |
Die Nobelpreis-Medaille zeigt den Stifter Alfred Nobel mit seinem Geburts- und Sterbejahr. Die Verkündung der Preisträger findet traditionell in der ersten Oktoberwoche statt, die Verleihung an seinem Todestag, dem 10. Dezember. / © Nobel Prize Outreach/Bernhard Ludewig
Die diesjährigen Preisträger heißen Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel. »Die Preisträger haben den Grundstein für eine neue Ära in den Neurowissenschaften gelegt«, teilte das Nobelpreis-Komitee in Stockholm am Montagmittag mit.
Hegemann untersuchte um die Jahrtausendwende, wie die Grünalge Chlamydomonas es schafft, zum Licht zu schwimmen. Er entdeckte Ionenkanäle, die Licht in elektrische Signale umwandeln. Hegemann, damals am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried, gelang es auch, das entsprechende Gen für das sogenannte Channelrhodopsin zu identifizieren.
Illustration zum Nobelpreis-Thema 2026 / © The Nobel Committee for Physiology or Medicine/Mattias Karlén
Dieses wiederum nutzte Georg Nagel am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main, um das Channelrhodopsin in Froschzellen zu produzieren und seine genaue Funktion zu studieren. »Die beiden haben den gesuchten Schalter im Gehirn gefunden«, würdigte das Nobelpreis-Komitee die wissenschaftliche Leistung. Peter Hegemann ist mittlerweile Professor an der Humboldt-Universität Berlin, Georg Nagel an der Universität Würzburg.
Der US-Psychiater und Neurobiologe Karl Deisseroth vom Howard Hughes Medical Institute und der Stanford University war der erste, der diese Erkenntnisse nutzte, um gezielt neuronale Netzwerke durch Licht zu stimulieren und zu kontrollieren, zunächst an Zellkulturen, dann in Tierversuchen. Dadurch lassen sich beispielsweise bei Mäusen bestimmte Neuronengruppen aktivieren und ein bestimmtes Verhalten auslösen, wie ein Trinkreiz oder das Erkunden der Umgebung. Diese Methode wird heute als Optogenetik bezeichnet.
Die Optogenetik habe geholfen, neuronale Netzwerke zu identifizieren, die beispielsweise bei Depressionen, Angsterkrankungen, Demenz, Schizophrenie und Suchtverhalten beteiligt sind, so das Komitee. In der klinischen Medizin wenden Forschende diese Methode bereits an, um das Sehvermögen von Menschen mit Sehbehinderungen wiederherzustellen. Die drei Forscher teilen sich das Preisgeld in Höhe von 12 Millionen Schwedischen Kronen (etwa eine Million Euro).
»Die Optogenetik hat unser Verständnis des Gehirns grundlegend verändert«, so das Nobelpreis-Komitee. »Jeden Tag gibt es neue Entdeckungen, die dazu beitragen, eines der großen Rätsel der Menschheit zu lösen: Wie funktioniert unser unglaubliches Gehirn?«