| Lukas Brockfeld |
| 08.06.2026 12:30 Uhr |
Im internationalen Vergleich sind Medikamente in den USA extrem teuer. / © Imago/imagebroker
Patienten in den USA zahlen im internationalen Vergleich extrem hohe Preise für ihre Arzneimittel. Dieser Missstand ist seit langem ein Politikum. US-Präsident Donald Trump arbeitet derzeit an mehreren Maßnahmen zur Senkung der Preise. So soll ein »Most Favored Nation« System die Preise in den USA an die Preise vergleichbarer Länder koppeln. Außerdem hat er mehrere Abkommen mit großen Pharmaunternehmen geschlossen und mit »TrumRX« eine Plattform ins Leben gerufen, auf der die Patienten Rabattcoupons erhalten können.
Doch das Problem ist bisher noch nicht gelöst. Das AARP Public Policy Institute, das sich für die Interessen älterer Menschen einsetzt, hat die Entwicklung der Listenpreise von 25 umsatzstarken patentgeschützten Arzneimittel analysiert. Diese waren zusammen für Ausgaben von mehr als 100 Milliarden Dollar der staatlichen Krankenversicherung Medicare verantwortlich. Seit ihrer Markteinführung sind die 25 Medikamente im Durchschnitt um 81 Prozent teurer geworden.
Die Vereinigten Staaten bilden damit einen Sonderfall. Für die Analyse wurde auch die Preisentwicklung der 25 Arzneimittel in 19 anderen wohlhabenden Ländern untersucht. In diesen wurden die Medikamente im Durchschnitt um 13 Prozent günstiger. Anders als in den meisten Ländern gibt es in den USA kaum Regeln für die Preisgestaltung von Medikamenten. Die Hersteller können die Preise daher auch nach dem Markteintritt noch massiv anheben.
Die Autoren merken einschränkend an, dass fast alle der untersuchten Medikamente zuerst in den USA auf den Markt kamen und erst später in den übrigen Ländern verkauft wurden. Im Durchschnitt seien die Medikamente in den USA seit 11 Jahren auf dem Markt, in den übrigen Ländern erst seit 10 Jahren. Dieser vergleichsweise geringe zeitliche Abstand könne die stark abweichende Preisentwicklung allerdings nicht erklären.
Die Autoren weisen auch darauf hin, dass sechs der 25 Medikamente in den Jahren 2024 oder 2025 einen durchschnittlichen Preisverfall von 40 Prozent erlebten. Grund dafür seien die Verhandlungen der Krankenversicherung Medicare. Der unter Joe Biden erlassene Inflation Reduction Act (IRA) aus dem Jahr 2022 regelt, dass das Medicare-Programm die Preise der umsatzstärksten Medikamente in den USA neu verhandeln darf.
Die AARP betont daher die Bedeutung der neuen Verfahren zur Preisgestaltung. »Die im Vergleich zu anderen Ländern abweichenden Preisentwicklungen unterstreichen erneut, wie wichtig die Preisverhandlungen von Medicare sowie andere laufende Bemühungen sind, um den Amerikanern Zugang zu günstigeren Arzneimittelpreisen zu verschaffen«, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation.