Pharmazeutische Zeitung online
SARS-CoV-2 und das Immunsystem

Drei Immunotypen bei Covid-19-Patienten

Keineswegs einheitlich nimmt das Immunsystem die Herausforderungen an, die eine SARS-CoV-2-Infektion an dieses komplexe System stellen. US-amerikanische Wissenschaftler konnten drei verschiedene »Immunotypen« bei Covid-19-Patienten identifizieren.
Theo Dingermann
23.07.2020  11:00 Uhr

Das Immunsystem unterschiedlicher Patienten reagiert offensichtlich deutlich unterschiedlich auf eine SARS-CoV-2-Infektion. Dies ist die Kernaussage einer wichtigen Publikation, die kürzlich im Fachjournal »Science« erschienen ist.

Die Wissenschaftler um Divij Mathew quantifizierten die verschiedenen Zelltypen des Immunsystems von 125 stationär behandelten Covid-19-Patienten mit Hilfe der hoch dimensionalen Durchflusszytometrie (HD-Zytometrie) und verglichen die Verteilung der Zellen mit der von gesunden Probanden. Dabei konnten sie drei Verteilungsmuster, sogenannte »Immunotypen«, identifizieren, die mit der Schwere des Krankheitsverlaufs korrelierten.

Unter Einbeziehung von etwa 200 immunologischen und 50 klinischen Merkmalen konnten die Charakteristika zu folgenden drei Immunotypen geclustert werden:

  • Ein Immunotyp, der mit einer schwereren Erkrankung assoziiert war, zeigte eine robuste CD4-T-Zell-Aktivierung. Allerdings waren nur wenige zirkulierende follikuläre T-Helferzellen (cTfh) aktiviert. Stattdessen wurde eine deutliche Proliferation von zentralen Gedächtniszellen und Terminal differenzierten Effektor-Gedächtniszellen (T EMRA ) und eine Beteiligung von Plasmablasten beobachtet, die den Transkriptionsfaktor T-bet exprimierten. Dieser Transkriptionsfaktor bewirkt eine Th1-Differenzierung.
  • Ein zweiter Immunotyp war dadurch charakterisiert, dass hier traditionellere Effektor-CD8-T-Zell-Untergruppen, eine geringe CD4-T-Zell-Aktivierung und proliferierende Plasmablasten und Gedächtnis-B-Zellen dominierten.
  • Der Immunotyp 3, der negativ mit der Schwere der Erkrankung assoziiert war, zeigte nur eine minimale Lymphozyten-Aktivierung. Circa 20 Prozent der untersuchten Patienten wiesen diesen Immunotyp auf, der offenbar keine robuste antivirale T- und B-Zellantwort aufweist und der somit mit einer Immunreaktion nicht infizierter Probanden vergleichbar ist.

Ferner identifizierten die Wissenschaftler stabile und dynamische immunologische Signaturen, die mit dem Verlauf des Krankheitsschweregrades in Verbindung gebracht werden. In erster Näherung kann man schlussfolgern, dass eine weniger robuste Immunreaktion mit einer weniger schweren Pathologie einhergeht.

Die Identifizierung dieser Immunotypen könnte ein wichtiger Schritt hin zu einer stärker angepassten Therapie von Covid-19-Patienten darstellen. Denn klar ist, dass sich die Krankheit äußerst heterogen präsentiert, was unter anderem auch dadurch verursacht wird, wie das Immunsystem des einzelnen Patienten auf die Infektion reagiert.

Mehr von Avoxa