| Cornelia Dölger |
| 04.08.2026 18:00 Uhr |
Horns Vorstoß fällt aber wohl auf fruchtbaren Boden – denn erst gestern hatte sich die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Sonja Optendrenk, zu dem Thema positioniert und sich für eine Erstattung offen gezeigt. Die Diskussion zu Adipositas sei in Deutschland »rückständig«, so Optendrenk zum »Spiegel«. Sie regte an: »Es wäre sicher überlegenswert, solche Abnehmmittel als Medikation unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen.«
Optendrenk schlug vor, der Gesetzgeber könnte den G-BA beauftragen, »zu klären, welche Patientengruppen diese Arzneimittel bekommen sollten, wie lange, mit welchen Begleitmaßnahmen«. Optendrenk ist seit 1. Juli G-BA-Vorsitzende.
Die versorgenden Ärzte verfolgen die Diskussion aufmerksam. So setzt sich die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) seit Langem dafür ein, die leitliniengerechte Versorgung in Deutschland für Patientinnen und Patienten mit Adipositas sicherzustellen. Dazu gehöre auch klar die medikamentöse Therapie, so Sebastian Kruse, politischer Geschäftsführer der DAG, zur PZ.
Er beurteilt den Vorstoß Optendrenks als Gamechanger in der aktuellen Diskussion. »Adipositas unmissverständlich als echte Krankheit zu betrachten und eine Abkehr von einer rückständigen Lifestyle-Diskussion zu fordern, markiert einen dringend notwendigen Paradigmenwechsel in Deutschland.«
Adipositas als chronische Erkrankung erfordere »ein strukturiertes, multimodales Versorgungskonzept«. Medikamentöse Therapien müssten unter klaren Bedingungen als Kassenleistung anerkannt werden. »Wie diese Bedingungen konkret ausgestaltet sein müssen, wird in Fachgesprächen zu klären sein.«