| Jennifer Evans |
| 26.05.2026 12:00 Uhr |
Darüber hinaus kennt die Wissenschaft das »Tokenismus«-Konzept. Damit ist gemeint, dass einzelne Akteure aus Minderheitenkulturen zwar in die Handlung eingebaut sind, aber kaum echte Tiefe besitzen und allein die Funktion haben, Diversität zu symbolisieren. In einigen Fällen kippt die Darstellung ins Rassistische. Im Fall von »Peter Pan« entschuldigte sich Disney bereits für die Bezeichnung »Rothäute« amerikanischer Ureinwohner. In »Dumbo« kommt der Stereotyp eines tanzenden und singenden schwarzen Manns vor. Auch trällern in dem Trickfilm Schwarze Menschen ein Sklaven-Lied, während sie ein Zirkuszelt aufbauen.
Ein weiterer Typus ist der »Magical Negro«. Er trifft oft als (spiritueller) Helfer des weißen Protagonisten auf. Ein Beispiel ist der Superheld Frozone aus den Animationsfilmen »Die Unglaublichen« oder Azeem in »Robin Hood«. Auch »Model Minorities« finden sich in Kindermedien. Das sind Minderheitengruppen, die sich über ihre ethnische Zugehörigkeit oder Hautfarbe definieren und als intelligenter oder leistungsorientierter gelten als andere Gruppen. Sie sollen ein Vorbild sein. Oft handelt es sich um asiatische Nebenfiguren, die außergewöhnlich klug, fleißig, diszipliniert und technisch begabt daherkommen. Dieser Typus reduziert Asiatinnen und Asiaten oft allein auf Leistung und Erfolg, so die Kritik.
Werden weibliche Figuren aus der Perspektive eines heterosexuellen männlichen Blickwinkels dargestellt, sprechen Filmforschende vom sogenannten »Male Gaze«. Die Frauen sind dann eher ein Objekt als eine eigenständig handelnde Figur. Das findet sich bei der »Meerjungfrau« Ariel oder bei Jasmine in »Aladdin«. Beide ziehen mit großen Augen und bauchfreiem Outfit die Aufmerksamkeit auf sich.
Diese Konzepte helfen Forschenden, Muster in Medien sichtbar zu machen und kritisch zu analysieren, wie Kinder gesellschaftliche Rollenbilder wahrnehmen. Der Druck auf Produzenten ist groß, mehr Diversität in ihre Charaktere und Lebenswelten zu integrieren. Das Gute: Untersuchungen aus der Medienpädagogik haben gezeigt: Kinder können ab einem bestimmten Entwicklungsgrad lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen – vorausgesetzt, Eltern, Familien und Lehrkräfte sensibilisieren sie dafür.