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Gender Attractiveness Gap
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Männer-Gesichter kommen schlechter an

Unabhängig von Kultur, Alter oder Herkunft empfinden Menschen weibliche Gesichter als attraktiver. Diesen globalen Mustern liegt einer Studie zufolge weitaus mehr zugrunde als gegenseitige Anziehung. 
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 08.06.2026  08:00 Uhr

Etwa ab dem 18. Jahrhundert etablierte es sich im europäischen Raum, Frauen als das »schöne Geschlecht« zu bezeichnen. Eine höfisch-galante Umschreibung geprägt von Rollenbildern. In der Tierwelt ist jedoch das Gegenteil der Fall. Dort sind meist die Männchen die Attraktiveren mit den auffälligeren Merkmalen. Warum ist das so? Forschende unter Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) hat diese Frage beschäftigt.

In ihrer kulturübergreifenden Studie schnitten weibliche Gesichter in mehr als eineinhalb Millionen Bewertungen von mehr als 28.500 Studienteilnehmenden durchweg besser ab als männliche. Diese sogenannte Gender Attractiveness Gap (GAP) tritt unabhängig von Alter, Herkunft oder Kultur auf, wie die Untersuchung um den Psychologen Dr. Eugen Wassiliwizky vom MPIEA belegt.

Dabei stuften Frauen andere Frauen als deutlich attraktiver ein als Männer dies taten – und waren auch großzügiger, wenn sie Männer beurteilten. Insgesamt erhielten männliche Gesichter jedoch von beiden Geschlechtern ähnlich niedrige Bewertungen. Attraktivitätsurteile seien also nicht bloß Ausdruck heterosexueller Anziehung, sondern folgten geschlechtsspezifischen Bewertungsmustern, resümierten die Forschenden.

Übrigens urteilten Männer insgesamt strenger. Dieser Effekt falle zwar schwächer aus als der GAP, nehme aber mit dem Alter zu und variiere zwischen den Kulturen, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift »Proceedings of the Royal Society B« erschienen ist.

Globales Muster

Um den Ursachen der geschlechtsspezifischen Attraktivitätslücke weiter auf den Grund zu gehen, analysierte das Forschungsteam mithilfe morphometrischer Verfahren auch, wie feminin oder maskulin ein Gesicht geformt ist. Auch dabei unterschieden sich die Bewertungskriterien für ein Gesicht je nach Geschlecht. Aus dieser Beobachtung folgert das Autorenteam, dass geschlechtstypische Gesichtsstrukturen bereits einen Teil des GAP ausmachen – aber eben nicht alles sind.

Demzufolge ist Gesichtsattraktivität kein rein individuelles Urteil, sondern ein Zusammenspiel aus Biologie, kulturellen Normen wie beispielsweise Weiblichkeit mit Schönheit zu verknüpfen sowie sozialen Einflüssen, etwa dem Gefühl der Solidarität unter Frauen.

Diese Unterschiede in der Wahrnehmung von männlichen und weiblichen Gesichtern zeigen zudem ein globales Muster. Allerdings verschwindet der GAP, wenn sich Menschen selbst bewerten, sprich: Männer und Frauen unterscheiden sich nicht, wenn sie ihre eigene Attraktivität einschätzen müssen.

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