| Paulina Kamm |
| 23.10.2026 16:00 Uhr |
Die Flut im Ahrtal ist vielen in Erinnerung geblieben. Doch was tun, wenn die Krise an die Haustür klopft? / © imago images/blickwinkel
Deutschland sei zwar einerseits ein sicheres Land, man könne andererseits nicht ausschließen, dennoch in verschiedene Notlagen zu geraten, heißt es im vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) publizierten Leitfaden zum »Vorsorgen für Krisen und Katastrophen«. Besonders befürchte man demnach: »Durch Cyberattacken, Desinformation oder Sabotage finden Angriffe auf Infrastrukturen, Meinungsbildung und Zusammenhalt statt.« Auch Kriege könne man nicht mehr ausschließen. Das BBK empfiehlt: Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Einen elementaren Teil der Versorgung, nämlich die Arzneimittel, haben die Apotheken in der Regel vorrätig. Das BBK empfiehlt allerdings auch, Dinge wie Essen und Wasser für den Notfall parat zu haben. Für Haushalte gilt: Reserven für zehn Tage wären optimal, schon Vorräte für drei Tage können hilfreich sein. Hierbei gäbe es Verschiedenes zu beachten: Haltbarkeit, kurze oder am besten keine Kochzeit, persönliche Belange wie Allergien und Essgewohnheiten. Wichtiger allerdings als Essen sind demnach Wasservorräte: »Idealerweise 2 Liter pro Person und Tag. Davon sind 0,5 Liter als Wasser zum Kochen gedacht. Denken Sie auch an Ihre Haustiere«, schreibt das Bundesamt.
Um insbesondere Menschen mit besonderem Hilfsbedarf zur Seite stehen zu können, empfiehlt das BBK, sich mit dem Notfallausweis – gegebenenfalls mit der digitalen Version – vertraut zu machen. Auch Erste-Hilfe-Kurse können extrem hilfreich sein. Um wichtige Kontakte parat zu haben, können handschriftliche Listen von Vorteil sein. Wiederaufladbare Akkus, also Powerbanks, sollten geladen bereitliegen.
Laut dem BBK lohnt es sich, die offizielle Notruf-App der Bundesländer, »nora«, zu kennen oder Warn-Apps wie zum Beispiel »NINA« zu nutzen. »Die meisten Informationen erhalten Sie über Warn-Apps und Radio«, hier sei es besonders wichtig, die Warnungen auch zu kennen und zu verstehen: »Sirenen-Warnung: 1 Minute Heulton – der Ton schwillt an und ab. Das bedeutet: Es besteht Gefahr – informieren Sie sich. Sirenen-Entwarnung: 1 Minute Dauerton. Das bedeutet: Die Gefahr ist vorbei«, schreibt das Amt. Kurbelradios werden hier empfohlen. Auch auf Lautsprecherwagen, digitale Informationstafeln und Handy-Warnungen sei zu achten.
Stichhaltige und solide Informationen seien ein guter Angstvorbeuger. Hier sei, insbesondere bevor man das Gehörte an Dritte weitergibt, besonders auf potenzielle Desinformation zu achten. Folgende Fragen können zur Bewertung hilfreich sein: Handelt es sich um eine seriöse Quelle? Sind zum Beispiel im Impressum Klarnamen vorhanden? Werden Quellen angegeben? Beinhaltet die Information Fakten? Kann die Information durch weitere Quellen bestätigt werden?
Auf den Notfall kann man sich vorbereiten, indem man sich rechtzeitig informiert und Notfallpläne aufstellt. Auch Übungen können helfen: Wie kocht man ohne Strom? Was tun, wenn die Heizung ausfällt? Wie reagieren, wenn es brennt? Zur Notfallausrüstung gehören Schlüssel, Mobiltelefon und Geldbörse, warme Kleidung, Regenschutz, feste Schuhe, Wechselkleidung, eine geladene Powerbank, Erste-Hilfe-Material, persönliche Medikamente und Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel und eine wiederbefüllbare Trinkflasche. »Bargeld sollte unbedingt griffbereit sein«, schreibt das BBK.
Auch auf Dokumente sei zu achten: Geburtsurkunde und Personalausweis, Grundbucheinträge oder Kaufverträge, Versicherungen, Schul- und Arbeitszeugnisse, Vollmachten oder gerichtliche Entscheidungen, Testamente, medizinische Befunde, Impfausweis oder Passwortlisten sowie eine Auswahl von Fotos, die man nicht verlieren möchte, sind Beispiele, die feuer- und wasserfest aufbewahrt werden sollen.
Was sich als Schutzraum eignet, sei sehr davon abhängig, um welche Notsituation es sich handle. Bei Gasen oder Dämpfen im Freien solle man in ein Gebäude gehen, in dem Türen und Fenster abgedichtet und geschlossen werden können. Obere Stockwerke eignen sich hier, da die meisten Gase schwerer als Luft sind und sich dadurch am Boden sammeln. Falls kein Gebäude in Reichweite ist, helfe zur Not auch ein Auto. Wenn Gase, Dämpfe oder gefährliche Flüssigkeiten wiederum drinnen ausgetreten sind, solle man das Gebäude verlassen.
Bei radioaktiven Stoffen oder Explosionen solle man sich hingegen so tief wie möglich, weg von Fenstern und Glasflächen, retten. Hierfür eignen sich Keller, Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen. »Dicke Mauern und Erde erhöhen den Schutz vor Strahlung, Druckwellen und herumfliegenden Trümmern«, schreibt das BBK.
Auch bei Hochwasser, Starkregen, Sturz- oder Sturmfluten seien höher gelegene Bereiche oder Stockwerke am besten geeignet. Keller, Tiefgaragen, U-Bahn-Stationen und Unterführungen meiden, sei die Devise.
Wie gut Deutschland auf einen Krisenfall vorbereitet ist und worauf Apotheken achten sollten, war auch Thema der jüngsten Folge des PZ-Talks »Alex’ Doppelte Dosis« mit Oberstapotheker Bernd Klaubert, Leitender Apotheker und Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr und seit Januar 2026 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP).