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Depot-Antipsychotika
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Die Galenik entscheidet

Depot-Antipsychotika bieten zahlreiche Vorteile in der Langzeitbehandlung von schizophren erkrankten Menschen. Rückfälle können verhindert und die Lebensqualität gesteigert werden. Die Medikation muss dabei sorgfältig überwacht werden. Welche Vor- und Nachteile sind zu beachten?
AutorKontaktMartina Hahn
AutorKontaktSibylle C. Roll
Datum 06.10.2024  08:00 Uhr

Das klinisch-pharmazeutische Beratungsgespräch

Ist ein schizophren erkrankter Patient unzufrieden mit seiner oralen Medikation, können Offizinapotheker ihn im Beratungsgespräch informieren, ob dieser Wirkstoff auch als Depot verfügbar wäre und welche Vor- und Nachteile eine Depotmedikation mit sich bringt. Wenn der Patient zunächst ablehnend reagiert, lohnt es sich, das Gespräch nicht abzubrechen. Man sollte vielmehr nach den Gründen fragen und aktiv zuhören.

In Krankenhäusern beraten klinische Pharmazeuten oft »pro Depot«, da diese Applikationsweise für die meisten Patienten vorteilhaft ist. Folgende Strategien und Inhalte können in der Gesprächsführung hilfreich sein:

  • Depotinjektionen sind heute nicht mehr so schmerzhaft wie früher, denn es gibt neue Depots in wässriger Lösung. Zudem sind längere Intervalle möglich, also deutlich weniger Spritzen pro Jahr nötig.
  • Es existiert kein höheres Risiko für ein malignes neuroleptisches Syndrom.
  • Betonen, dass es keine »Strafmaßnahme« ist und auf die Vorteile für den Erkrankungsverlauf hinweisen.
  • Verdeutlichen, dass der Patient auch das Depot wieder absetzen kann (diese Autonomie ist den Patienten oft sehr wichtig!), nur eben einmal pro Monat und nicht jeden Tag.
  • Eine Depotmedikation kann Konflikte mit Bezugspersonen reduzieren. Da Ehegatten oder Eltern die Betroffenen oft drängen, die orale Medikation jeden Tag einzunehmen, kommt es zu Konflikten. Das Erinnern an die Einnahme erleben viele Patienten als Verlust an Autonomie und Bevormundung.

Fazit: Für Patienten bieten Depots die Chance auf höhere Lebensqualität, weniger Rückfälle und verringerte Mortalität. Wichtig ist, dass sie die für sich beste Behandlung auswählen können.

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