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Allianz gegen Temperaturkontrollen
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Die EU-Kommission und die Versender-Lobby

Die Bundesregierung will die Versender stärker kontrollieren, doch die EU-Kommission findet die strengeren Temperaturvorschriften übertrieben. Die Brüsseler Behörde macht sich auffällig die Argumente der Versandlobby zu eigen, wie eine PZ-Analyse der Stellungnahmen zeigt.
AutorAlexander Müller
Datum 28.04.2026  13:30 Uhr

Viele Argumente von Versendern und DHL

Deren Parteinahme für den Versandhandel zeigte sich zwar schon in früheren Verfahren zum Apothekenmarkt. Was bei der aktuellen Stellungnahme aber auffällt, ist die einseitige Fokussierung auf den Binnenmarkt. Fragen der Arzneimittelsicherheit oder des Verbraucherschutzes scheinen die Kommission nicht tiefgehend befasst zu haben. Stattdessen wurden Argumente von EAEP, BVDVA, DHL & Co. übernommen, bis hin zur Struktur der Papiere.

Stellenweise wirkt es geradezu so, als habe die Kommission gezielt nach Argumenten gegen die verschärften Temperaturbedingungen gesucht. So wird moniert, dass die Sicherheit des Versandhandels in der einleitenden Problembeschreibung der Verordnung gar nicht vorkomme. Als Ziel werde stattdessen »ein flächendeckendes Apothekennetz für eine wohnortnahe Arzneimittelversorgung« genannt. Das stimmt, ist in dieser Verkürzung aber etwas unfair. Denn tatsächlich bezieht sich die Regierung dabei auf den geplanten Bürokratieabbau sowie Änderungen der Vergütung.

Wie geht es weiter mit der Apothekenreform?

Offen ist noch, wie die Regierung mit dem Veto aus Brüssel umgeht, immerhin hat Brüssel mit einem Vertragsverletzungsverfahren gedroht, sollte Deutschland an seinen Plänen festhalten. Denkbar wäre, die Verantwortung eindeutiger an die Versender selbst zu übertragen und die Logistiker aus dem Spiel zu lassen – das wiederum würde Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten schwächen.

Was den Rest der Reform angeht, so könnte Warken den Part zum Versandhandel ausklammern und den Rest in den Bundesrat schicken. Das wäre für die Apotheken insofern von Bedeutung, als darin auch die geplante Verhandlungslösung zum Honorar geregelt ist. Da mit dem GKV-Spargesetz nun der Kassenabschlag erhöht und per Verordnung eigentlich das Fixum auf 9,50 Euro festgeschrieben werden soll, hat die Ministerin viele Bälle gleichzeitig in der Luft – und Ärger mit Finanzminister Lars Klingbeil. Auch ihr Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) soll zeitlich abgestimmt vom Bundestag beschlossen werden.

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