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Magenbypass

Die Diät ist das Erfolgsgeheimnis

90 Prozent Diät, 10 Prozent OP

Zu ihrer eigenen Überraschung sahen sie dabei, dass die positiven Veränderungen unter anderem im Lipidstoffwechsel nahezu ausschließlich auf die Diät zurückzuführen waren. Die Operation selbst hatte nur einen sehr geringen Effekt, der teilweise sogar in die andere Richtung ging. »Mehr als 90 Prozent der Veränderungen ereigneten sich infolge der Diät und nur ein sehr kleiner Teil nach der Operation«, fasst Seniorautor Dr. Peter Spégel in einer Mitteilung der Universität Lund zusammen. »Das, was wir früher für einen Effekt der Operation gehalten haben, beruht in Wahrheit auf der Diät«, ergänzt der zweite Seniorautor Nils Wierup. Bei ihm habe die Studie ein Umdenken ausgelöst.

Brauchen Adipöse also gar keinen Chirurgen, sondern nur besser Diätberater, um dauerhaft abzunehmen und ihren Stoffwechsel zu normalisieren? So wollen die Forscher ihr Ergebnis nicht verstanden wissen. Bariatrische Operationen seien notwendig, damit die Patienten die erforderliche strenge Diät dauerhaft durchhalten. Infolge der Magenverkleinerung können die Betroffenen keine großen Portionen mehr verzehren.

Die Studie wirft neue Fragen bezüglich der Rolle von GLP-1 und GIP in dem Geschehen auf: »Wenn der Stoffwechsel hauptsächlich durch die Diät und nicht durch die OP beeinflusst wird, was machen dann GLP-1 und GIP?«, verdeutlicht Wierup. Die Forscher erhoffen sich Antworten von einer Nachbeobachtung der Patientinnen sowie einer derzeit laufenden europäischen Stude. Die Hormone sind nachweislich an der Insulinregulation beteiligt. Von früheren Verläufen magenoperierter Adipositas-Patienten weiß man, dass die Normalisierung des Blutzuckers nach der OP nur so lange anhält, wie die Betroffenen ihr niedrigeres Gewicht halten können.

Andere Studie, gleiches Ergebnis

Die Ergebnisse einer anderen Forschergruppe um Dr. Mihoko Yoshino von der Washington University School of Medicine in St. Louis liegen zu 100 Prozent auf derselben Linie wie die der Schweden. Im aktuellen »New England Journal of Medicine« berichtet das Team über einen Versuch mit 22 adipösen Typ-2-Diabetikern (DOI: 10.1056/NEJMoa2003697). Alle Teilnehmer erreichten eine Gewichtsreduktion um circa 18 Prozent des Ausgangswerts, die Hälfte mittels RYGB, die andere Hälfte ausschließlich mit strenger Diät. Davor und danach wurden diverse Stoffwechselparameter der Probanden bestimmt. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Insulinresistenz der Leber, sekundäre Endpunkte waren Veränderungen der muskulären Insulinresistenz, der Betazellfunktion und der 24-Stunden-Glucose- und -Insulin-Profile der Probanden.

Die positiven Effekte auf den Stoffwechsel waren groß – und in beiden Gruppen gleich. Sowohl in der Operations- als auch in der Diätgruppe stieg die Insulinsensitivität der Leber und des Muskelgewebes, das Körperfett nahm ab und die Funktion der Betazellen verbesserte sich, ohne dass es statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen gegeben hätte.

Zwar kam es postprandial bei den operierten Patienten zu einem schnelleren Anstieg der Blutglucose und auch bezüglich des Mikrobioms sowie der Plasmakonzentrationen an verzweigtkettigen Fettsäuren und Gallensäuren bestanden Unterschiede zwischen den Gruppen. Auf die vordefinierten Endpunkte der Studie wirkten diese sich jedoch nicht aus, sodass das Fazit der Autoren lautet: »In dieser Studie mit Patienten mit Adipositas und Typ-2-Diabetes waren die metabolischen Vorteile eines Magenbypasses und einer Diät vergleichbar und standen offensichtlich im Zusammenhang mit dem Gewichtsverlust.« Vom Gewichtsverlust unabhängige klinisch bedeutsame Effekte seien nicht erkennbar gewesen.

Wie die Gruppe aus Schweden räumen jedoch auch sie ein, dass es Adipositas-Patienten oft nicht gelinge, allein durch Änderungen des Lebensstils abzunehmen und das niedrigere Gewicht auf Dauer zu halten. Bariatrische Operationen seien deshalb für die meisten adipösen Typ-2-Diabetiker eine sehr viel effektivere Behandlungsmethode als eine Diät.

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