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Magenbypass

Die Diät ist das Erfolgsgeheimnis

Kilos weg, Blutzucker runter: Das ist oft das Ergebnis einer operativen Magenverkleinerung. Zwei aktuelle Studien zeigen jedoch: Es ist nicht das Messer des Chirurgen, sondern die strenge Diät im Zusammenhang mit der OP, die den Effekt bewirkt.
Annette Rößler
24.08.2020  16:57 Uhr

Eine bariatrische Operation, zum Beispiel ein Magenband, Schlauchmagen oder Magenbypass, stellt bei Fettleibigkeit mitunter die lezte Option dar, um das Körpergewicht zu senken. Ein mindestens genauso wichtiges Behandlungsziel wie die Gewichtsreduktion ist dabei eine Normalisierung des Blutzuckers und anderer metabolischer Parameter, die oft infolge einer solchen Operation auftreten. Mediziner gingen bislang davon aus, dass dieser Effekt darauf zurückzuführen ist, dass Darmhormone wie das Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) und das Glucose-dependent Insulinotropic Peptide (GIP) infolge der anatomischen Veränderung des Magen-Darm-Trakts nach einer Nahrungsaufnahme vermehrt ausgeschüttet werden.

Das stimmt aber wahrscheinlich so nicht, wie jetzt ein Team schwedischer Forscher herausgefunden und im Fachjournal »Diabetes« publiziert hat (DOI: 10.2337/db20-0131). Die Gruppe um Katharina Herzog von der Universität Lund begleitete 19 adipöse Frauen intensiv, jeweils sechs Wochen bevor und nachdem diese sich einen Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) legen ließen. Die Teilnehmerinnen hatten alle einen Body-Mass-Index über 35 kg/m2, neun von ihnen waren an Typ-2-Diabetes erkrankt. Vor der OP mussten sich die Frauen einer strengen Diät mit weniger als 1000 kcal am Tag unterziehen, um 5 Prozent ihres Körpergewichts abzunehmen. Dies ist üblich vor bariatrischen Eingriffen, um die Größe der Leber und die Menge an Fett zu reduzieren, das die inneren Organe umgibt, und so das Komplikationsrisiko der OP zu minimieren.

Durch die Messung von mehreren Hundert Metaboliten im Blut der Teilnehmerinnen sowohl im nüchternen Zustand als auch nach definierten Mahlzeiten, bestimmten die Forscher die Auswirkungen der Diät und der anschließenden Operation auf den Stoffwechsel. Sie bestimmten dieselben Parameter bei den Teilnehmerinnen jeweils zu Beginn des Beobachtungszeitraums, nach sechs Wochen Diät sowie sechs Wochen nach der OP und konnten so die Verläufe bei jeder einzelnen Frau nachvollziehen.

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