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E-Rezept-Start

»Die Apotheker bereiten uns weniger Sorgen als die Ärzte«

Die Gematik hatte den gesetzlichen Auftrag, die technischen Komponenten für das neue, digitale Verordnungssystem bis zum heutigen Donnerstag zur Verfügung zu stellen. Im Interview mit der PZ berichtet Gematik-Chef Markus Leyck Dieken, dass alle Komponenten für das E-Rezept bereitstehen und warum im Berliner Modellprojekt erst Ende Juli die ersten echten Rezepte erwartet werden.
Benjamin Rohrer
01.07.2021  12:30 Uhr

PZ: Herr Leyck Dieken, die Gematik war gesetzlich dazu verpflichtet, bis zum heutigen Donnerstag die technischen Komponenten rund um das E-Rezept zur Verfügung zu stellen. Konnten Sie diesen Termin einhalten?

Leyck Dieken: Ja, wir sind kurz vor der Premiere fertig geworden. Die drei Komponenten, nämlich die App zur E-Rezept-Weiterleitung, der Fachdienst und der Fachdienst im Hintergrund sind pünktlich da. Wir können den technischen Ablauf des E-Rezepts seit vorgestern schon komplett durchlaufen.

PZ: Sie hatten ja ebenfalls für den heutigen Donnerstag den Start eines Modellprojekts angekündigt, an dem sich bis zu 120 Apotheken und Arztpraxen beteiligen. Nach unseren Informationen geht das Projekt aber zunächst nur mit Tests los, die ersten E-Rezepte werden dann Ende Juli/Anfang August erwartet. Wie kommt es zu dieser Verspätung?

Leyck Dieken: Wir werden das E-Rezept in der ersten Zeit mit Dummies testen. Das Ziel ist es, dass der gesamte Prozess von der Verordnung bis hin zur Abrechnung bei der Krankenkasse reibungslos läuft. Wir geben uns dafür gar nicht so viel Zeit und gehen davon aus, dass wir in der zweiten Julihälfte in das reelle Einlösen von E-Rezepten kommen. Im August wird es dann eine zweite Phase in der Fokusregion geben, in der wir gemeinsam mit 120 Apothekern und Ärzten das E-Rezept testen. Wir achten dabei darauf, dass sich die Apotheken in der Regel in der Nähe zur Arztpraxis befinden. Aber auch einige Versender, die Kunden in der Region haben, werden sich beteiligen. Denn wir wollen alle Szenarien, also auch komplette telemedizinische Szenarien, überprüfen können. Denn auch diese sind ein wichtiges Anwendungsfeld des E-Rezepts in der Zukunft.

»Die Apothekerschaft ist bereit«

PZ: Aber nochmal zurück: Die Apotheken aus der Region konnten sich in den vergangenen Wochen für die Projektteilnahme bewerben. Wann konkret können alle 120 Apotheken in das Projekt einsteigen? Und welche Hindernisse gibt es noch?

Leyck Dieken: Viel hängt noch mit den Software-Lösungen der ausstellenden Arztpraxen zusammen. Die Apothekerschaft ist für das Projekt bereit, das sehen wir mit großem Vergnügen. Die Softwarehäuser der Ärzteschaft brauchen allerdings noch etwas Unterstützung von uns. Wir gehen davon aus, dass Ende Juli/Anfang August immer mehr Software-Anbieter in der Lage sein werden. Hierfür brauchen wir aber von der KBV zertifizierte Software-Systeme.

PZ: Wie viele Arztpraxis-Softwareanbieter sind denn – Stand heute – bereit für das E-Rezept?

Leyck Dieken: Bis zum heutigen Tag wurde ein Arzt-Software-Hersteller zugelassen. Bis Ende Juli sollten es dann schon eine Handvoll von Anbietern sein. Mit großem Bedauern sehen wir aber, dass viele Softwarehäuser den Starttermin, also der 1. Januar, als Liefertermin betrachten. Dementsprechend werden die meisten großen Anbieter erst im Herbst bereit sein.

PZ: Wie sieht es bei den Apotheken-Dienstleistern aus? Sind die schneller bereit?

Leyck Dieken: Ja, schon kurz nach Start des E-Rezept-Modellprojekts werden beispielsweise acht Rechenzentren bereit sein. Wir machen uns um die Bereitschaft des Apothekenmarkts und der Apothekerschaft weit weniger Sorgen als um die Ärzte.

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