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Pflege beugt vor

Diabetes ist auch Hautsache

Die Haut von Diabetikern bedarf einer besonderen Pflege. Ihr mangelt es häufig an Feuchtigkeit und Lipiden, die natürliche Schutzbarriere ist gestört. Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze können so leichter in die Haut eindringen und dermale Komplikationen verursachen. Mit der richtigen täglichen Hautpflege lässt sich vorbeugen.
Michelle Haß
24.05.2020  09:00 Uhr

Mindestens jeder zweite Diabetiker hat mit Hautproblemen als Folge seiner Erkrankung zu kämpfen. Laut Schätzungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigen zwischen 30 und 70 Prozent der Diabetiker dermatologische Symptome oder Erkrankungen. Die Experten gehen davon aus, dass mehr als 50 verschiedene Hautkrankheiten mit der Stoffwechselerkrankung assoziiert sind. Viele Diabetiker leiden an sehr trockener, atropher, häufig auch schuppiger Haut, die in einen starken Juckreiz münden kann. Durch Kratzen der juckenden Stellen können zusätzlich Hauteinrisse und Wunden entstehen, die wiederum eine hervorragende Eintrittspforte für Pathogene liefern.

Nach Informationen des Diabetesinformationsdienstes München sollen es bis zu 40 Prozent der Diabetiker sein, die über Juckreiz klagen. Reicht eine rückfettende und harnstoffreiche Pflege nicht aus, um den quälenden Juckreiz zu stillen, können Betroffene es kurzfristig mit Glucocorticoiden oder Antihistaminika probieren. Bringt auch das keine Besserung, sollte der Apotheker oder Arzt hellhörig werden. Ein extrem starker Juckreiz, der durch klassische Therapien nicht nachlässt, könne auch auf eine Nierenfunktionsstörung hinweisen, warnt die DDG.

Die genauen physiologischen Zusammenhänge, wie sich eine Diabeteserkrankung auf die Haut auswirkt, sind vielfältig und bis dato nicht vollständig geklärt: Erhöhte Blutzuckerspiegel lassen die Haut schneller altern, indem sich Zuckerstrukturen an die elastischen Kollagen-Fasern anlagern. Dadurch verklumpen diese, ihre dreidimensionale Struktur bricht zusammen. Die Haut verliert an Elastizität, Stabilität und Spannkraft, wirkt eingefallen und zeigt Fältchen.

Durch das verschobene Gleichgewicht an Stoffwechselprodukten im Blut von Diabetikern bilden sich Ablagerungen an den Gefäßwänden und verengen diese (Mikro- und Makroangiopathie). In Folge dessen wird die Haut weniger durchblutet und nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Gleichzeitig sind die Schweiß- und Talgdrüsen weniger aktiv und die Haut kann Feuchtigkeit nicht mehr so gut binden. So erscheint die Haut von Diabetikern, die ihren Blutzucker nicht konstant in den Griff bekommen, oft fahl und schlecht durchblutet.

Der Hautzustand gibt nicht nur Hinweise darauf, wie gut der Blutzuckerspiegel von Diabetikern eingestellt ist, sondern er kann auch erstes Anzeichen eines unerkannten Diabetes sein. Bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen treten Pigmentveränderungen auf, bräunliche, narbenähnliche runde Flecken meist am vorderen Schienbein. Sie lassen sich aber auch an Unterarmen und Füßen finden. Die Flecken entstehen möglicherweise als Folge der fortschreitenden Mikroangiopathie. Wer solche Hautmale bemerkt, sollte beim Arzt seinen Nüchternblutzucker überprüfen lassen, empfiehlt die DDG. Sobald der Diabetes eingestellt ist, verschwinden die Flecken in der Regel wieder.

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