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Covid-19-Impfstoff von Astra-Zeneca

Deutschland setzt Impfungen fort

Der Covid-19-Impfstoff von Astra-Zeneca ist sicher und effektiv, und die Vorteile sind wesentlich größer als die Risiken. Zu diesem Fazit kam heute Nachmittag die europäische Arzneimittelagentur EMA. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte darauf an, Impfungen mit der Vakzine sofort wieder aufnehmen zu wollen. 
Sven Siebenand
18.03.2021  20:50 Uhr

Spahn informierte, dass morgen wieder in Deutschland mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff geimpft werden soll . Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) habe sich nach dem Plädoyer des EMA-Ausschusses dafür ausgesprochen. Parallel arbeite man bereits an der Überarbeitung des Aufklärungsbogens für die Impflinge. Denn: »Wichtig ist informiertes Impfen.« Impflinge müssten über erkannte Nebenwirkungen aufgeklärt sein. Bis der Bogen Ärzten zur Verfügung steht, könnten diese laut Spahn auch handschriftlich auf der bestehenden Version des Aufklärungsbogens auf die neu erkannten Risiken hinweisen.

PEI-Präsident Professor Dr. Klaus Cichutek informierte, dass dem Institut bis heute zwölf Fälle einer Sinusvenenthrombose im Zusammenhang mit der Impfung berichtet wurden. Alle traten bei Frauen auf, zwei verliefen tödlich. Hinzu komme ein ähnlicher gelagerter Fall bei einem Mann, der ebenfalls verstarb. Betroffen von der insgesamt sehr seltenen Nebenwirkungen seien Menschen im Alter bis zu 55 Jahren gewesen. Symptome seine vier bis 16 Tage nach der Impfung aufgetreten. Cichutek begrüßte den geplanten neuen Warnhinweis in der Fachinformation. Treten bestimmte Symptome mehrere Tage nach der Impfung auf, sollten Patienten unbedingt einen Arzt konsultieren. Ärzte, die mit Symptomen, die auf Sinusvenenthrombosen hinweisen, konfrontiert werden, sollten unbedingt nach einer zurückliegenden Impfung mit Astra-Zeneca fragen, auf Thrombosehinweise achten und entsprechend handeln.

Wie die Impfung für den Fall eines Kausalzusammenhangs die Gerinnungsstörungen auslöst, ist noch unklar. »Es werden verschiedene Pathomechanismen diskutiert«, sagte Cichutek. Bislang gebe es keine Hinweise, dass mRNA-Impfstoffe ähnliche Komplikationen auslösen. Und eine Extrapolation auf andere Vektorimpfstoffe sei nicht zulässig

Impfen mit der Vakzine von Astra-Zeneca – ja oder nein: Professor Dr. Bernd Salzgeber vom Uniklinikum Regensburg regte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur heute bei einer bestimmten Gruppe zum genauen Abwägen der Risiken an. »Bei Frauen vor der Menopause, die ein sehr geringes Risiko für Covid-19-Komplikationen haben, sollte man derzeit überlegen, ob die Impfung mit Astra-Zeneca erfolgen sollte«, so die Meinung des Infektiologen. Für einen 80-jährigen Mann mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf hingegen sehe das Risiko-Nutzen-Verhältnis in Anbetracht der dritten Pandemiewelle ganz anders aus . Salzberger betonte, dass noch offen sei, ob etwa bestimmte Medikamente oder etwa genetische Veranlagung beim Auftreten der seltenen Nebenwirkung eine Rolle spielen könnten.

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