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Thomas Preis bei »Alex’ Doppelte Dosis«
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Der Diplomatie-Held

Im Anschluss an die Eröffnung des Deutschen Apothekertags hat sich ABDA-Präsident Thomas Preis direkt zu PZ-Chefredakteur Alexander Müller aufs Podium begeben. Im Rahmen der PZ-Talks »Alex’ Doppelte Dosis« gab der ABDA-Präsident seine Einschätzung zur Zusammenarbeit mit dem neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Preis zeigte sich tiefenentspannt. Und äußerst diplomatisch in seinen Antworten.
Datum 16.09.2026  18:30 Uhr

Deutschlands oberster Apotheker, Thomas Preis, war am Dienstag auf der Expopharm in München live zu Gast bei »Alex’ Doppelte Dosis« – dem PZ-Talk zum Gesundheitswesen mit freundlicher Unterstützung von Noventi. Und das Publikum erlebte einen gut gelaunten, zuversichtlich und tiefenentspannt wirkenden ABDA-Präsidenten. Preis zeigte sich sehr optimistisch, was die Zusammenarbeit mit der Politik betrifft. Kurz zuvor hatte der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) vor der Apothekerschaft sozusagen seinen Einstand gegeben. Zum Beginn des DAT hatte er ein Grußwort an die Delegierten gerichtet und seine volle Unterstützung zugesagt – besonders in zwei für die Apothekerschaft sehr wichtigen Punkten.

ABDA-Präsident Thomas Preis zeigte sich im Nachgang im Gespräch mit PZ-Chefredakteur Alexander Müller sehr zufrieden. »Ich bin mir ganz sicher, dass wir einen sehr interessierten und aufmerksamen Minister haben. Da können wir die Dinge adressieren, die jetzt nach der Reform wichtig sind.«

Dabei geht es zuvorderst um das für die Apothekerschaft drängende Thema des unlauteren Marktgebarens ausländischer Arzneimittelversender. Linnemann hatte zugesichert, der aktuellen »Wettbewerbsverzerrung« der EU-Versender einen Riegel vorzuschieben. Nicht nur angesichts deren illegaler Boni bei Zuzahlungen, sondern auch hinsichtlich der Nichteinhaltung von Temperaturkontrollen.

Versenderproblematik: »Die Politik wird handeln müssen«

Preis ist sicher, dass Linnemann die Probleme angehen wird. »Linnemann ist Sportfan, der weiß, dass man dranbleiben muss«, so Preis mit Blick auf die zuletzt von der EU abgeschmetterten Verschärfungen der Transportbedingungen. Diese Themen seien zudem Gegenstand vieler DAT-Anträge. »Mit diesem Rückenwind werden wir weiter dranbleiben. Die Politik wird handeln müssen«, ist sich Preis sicher.

Preis ist erst seit anderthalb Jahren an der Spitze der ABDA, hat mit Linnemann aber bereits mit dem dritten Gesundheitsminister zu tun. Als er im Januar 2025 zum ABDA-Präsidenten gewählt wurde, war Karl Lauterbach (SPD) an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Nach dem Ampel-Aus wurde im Mai dann Nina Warken (CDU) Gesundheitsministerin. Und nun also Linnemann.

»Wir wollen die Politik dabei unterstützen, ein gutes Gesundheitssystem zu schaffen«, unterstrich Preis. Denn wenn die Menschen gesundheitlich nicht gut versorgt sind, sei das der Demokratie abträglich. »Wir werden unterstützen und auch klar unsere Forderungen vortragen«, so der ABDA-Präsident.

Apothekenreform als eine »1A-Leistung«

Mit der Apothekenreform – abgesehen von der zu späten und dann nur schrittweise erfolgten Honorarerhöhung – ist Preis sehr zufrieden. »Das ist eine 1A-Leistung«, sagte er. Die Politik setze mit den nun möglichen neuen Leistungen in Zukunft auf die Apotheke. Und der soeben veröffentlichte Apothekenklima-Index zeige, dass ein Großteil der Apothekerinnen und Apotheker die neuen Leistungen auch umsetzen möchte.

Was den Widerstand der Ärzteschaft gegen das Impfen in Apotheken betrifft, so ist Preis »sehr entspannt«. Das werde sich legen. Er verwies auf das Jahr 1955, als Patienten erstmals selbst Blutdruck messen konnten. Damals sei die Empörung der Ärzte auch groß darüber gewesen, dass Menschen das jetzt allein machen sollen.

Es gehe darum, die Ärzte zu entlasten. Preis, der mit seinem Sohn zusammen zwei Apotheken in Köln betreibt, erzählte, die Apothekenteams dort stellten fest, dass die Beratungen immer mehr Zeit einnähmen. »Die Fragen werden in den Apotheken gestellt«, so Preis. Die Ärzte würden gut behandeln, sie stünden aber unter enormem Zeitdruck. Deshalb sei es wichtig, dass die neuen Leistungen in die Apotheken kommen.

Auf die Zukunft angesprochen, mahnte Preis, das Fremd- und Mehrbesitzverbot zu schützen. Er sehe auch in zehn Jahren die inhabergeführte Apotheke als Instanz. Als warnendes Beispiel nannte er die Entwicklungen mit den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Als diese aufkamen, hätten die Ärzte zunächst auch gedacht, sie betrieben diese selbst. Mittlerweile seien das finanzgetriebene Objekte. »Da dürfen wir niemals hinkommen«, so der ABDA-Präsident.

Gefragt, wie seiner Meinung nach die Apotheke in zehn Jahren aussehen wird, verwies Preis vor allem auf den gestiegenen Platzbedarf. »Die Apotheke der Zukunft braucht aufgrund der neuen pharmazeutischen Dienstleistungen und Angebote mehr Platz«, ist Preis sicher: einen Raum zum Impfen, einen für die assistierte Telemedizin (aTM), einen zur Medikationsberatung.

Grundsätzlich sieht der ABDA-Präsident die Primärversorgung als das beste gemeinsame Projekt, das die Apothekerschaft »gemeinsam mit den Ärzten machen kann und auch muss«. Das war auch Thema seiner Eröffnungsrede gewesen. »Und da sind wir mit der Politik auch im Gespräch.«

Preis: »Ich bin sehr glücklich in diesem Beruf.«

Das ADD-Format ist auch dazu gedacht, die Interviewten von ihrer privaten Seite zu zeigen. Was Preis betrifft, so sind seine schönsten Kindheitserinnerungen solche an das Leben mit der Familie und seinen zwei Brüdern. »Wir haben viel zusammen gemacht und halten heute noch zusammen wie Pech und Schwefel.« Familie sei ganz wichtig.

Und warum ist Preis Apotheker geworden, wollte Alexander Müller wissen. Preis, der als Schüler nach eigenen Angaben »ganz okay« war, hatte Chemie und Geografie als Lieblingsfächer. Und weil in der Nachbarschaft eine Apothekerfamilie wohnte, sei er auf die Idee gekommen. In seiner Wehrdienstzeit bei der Luftwaffe flammte auch kurz mal der Gedanke auf, Pilot zu werden. Er habe sich auch »routinemäßig« auf Lehramt beworben, für seine Lieblingsfächer. Aber dann wurde er doch Apotheker. »Und ich bin sehr glücklich in diesem Beruf!«

Beim abschließenden Entweder-oder-Quiz, das am Ende von ADD den Interviewten schnelle Antworten abverlangt, entpuppte sich Preis als Held der Diplomatie: Lieber Apotheker oder ABDA-Präsident? Er sei gerne beides. Frühaufsteher oder Eule? »Kommt darauf an«, so Preis. Bei Terminen stehe er sehr früh auf, so wie heute um 5:30 Uhr für die Aufzeichnung des Frühstücksfernsehens. Am Wochenende schlafe er aber auch gern bis 10 Uhr. Ehrgeiziger beim Tennismatch oder in der ABDA-Vorstandssitzung? »Überall gleich«, so Preis.

»Wer war bislang dein spannendster Gesprächspartner?«, wollte Müller wissen. Auch hier sehr diplomatisch: »Das ist ja in jeder Situation so.« Jetzt habe er beispielsweise einen sehr spannenden Gesprächspartner. Er unterhalte sich gerne mit Ministerinnen und Ministern. Aber er sitze auch sehr gern nach dem Tennis mit seinen Freunden zusammen.

Und wen würde er gern mal treffen oder kennenlernen? »Ich habe ja schon fünf Enkelkinder. Da freue ich mich jedes Mal, sie kennenzulernen.« Obwohl sie in derselben Stadt wohnen, sehe man sich doch eher selten. »Und dann ist es schön, ein Wochenende mit ihnen zu haben.«

Und nach der ABDA-Zeit? Wie wolle er dann rückblickend gesehen werden? Darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht, so Preis. Wichtiger wäre es, wie es ihm dann gehe. Und garantiert gehe es ihm dann sehr gut. »Ich werde mich auch im Ruhestand mit allen gut verstehen.« Das hoffe er. Und das sei doch ein gutes Gefühl.

Noventi-CEO Mark Böhm sprach im Anschluss mit PZ-Chefredakteur Alexander Müller über den Auftritt von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) und den Talk mit ABDA-Präsident Thomas Preis. Die Rechenzentren haben selbst Forderungen an an die Politik – Stichwort Stabilität beim E-Rezept. Das Wrap-up zu ADD Vol. 5 finden Sie auch in unserem Youtube-Kanal.

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