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Lusutrombopag

Den Thrombozytenmangel beheben

Mit Lusutrombopag ist ein neues orales Arzneimittel zur Behandlung von Thrombozytopenie verfügbar. Zum Einsatz kommt es bei erwachsenen Patienten mit chronischer Lebererkrankung, bei denen ein invasiver Eingriff geplant ist.
Kerstin A. Gräfe
07.01.2022  07:00 Uhr

Viele Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung (CLD) entwickeln vor allem im fortgeschrittenen Stadium eine Thrombozytopenie, die das Risiko für Blutungen erhöht. Unter Umständen können Operationen nicht durchgeführt oder müssen abgebrochen werden. Hier kann eine präoperative Behandlung mit Thrombopoietin-Rezeptoragonisten Abhilfe schaffen

Mit Lusutrombopag (Mulpleo®3 mg Filmtabletten, Shionogi) ist seit Dezember ein weiterer Wirkstoff zur Erhöhung der Thrombozytenzahl bei Patienten mit CLD verfügbar. Er ist in dieser Indikation nach Avatrombopag (Doptelet®), das im April 2021 auf den Markt kam, der zweite zugelassene Wirkstoff. Zusätzlich sind als weiterer Thrombopoietin-Rezeptoragonist seit 2010 Eltrombopag (Revolade®) und seit 2009 das Fusionsprotein Romiplostim (Nplate®) zur Behandlung der Thrombozytopenie in anderen Indikationen verfügbar.

Lusutrombopag wird angewendet zur Behandlung von schwerer Thrombozytopenie bei Erwachsenen mit CLD, die sich invasiven Eingriffen unterziehen müssen. Die empfohlene Dosis beträgt 3 mg einmal täglich über sieben Tage. Danach sind zwei Tage Pause; der operative Eingriff soll erst ab Tag 9 nach dem Beginn der Mulpleo-Behandlung durchgeführt werden. Vor dem Eingriff muss die Thrombozytenzahl bestimmt werden. Das neue Präparat darf nicht länger als sieben Tage eingenommen werden. Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz darf nur mit einer Behandlung begonnen werden, wenn der Nutzen die Risiken übersteigt.

Lusutrombopag stimuliert die Transmembrandomäne von TPO-Rezeptoren auf hämatopoetischen Stammzellen und Megakaryozyten. Dadurch wird die Thrombopoese stimuliert und die Thrombozytenkonzentration steigt. Aufgrund des Wirkmechanismus können thromboembolische und thrombotische Komplikationen auftreten. Vorsicht ist daher geboten bei prädisponierten Patienten wie solchen mit Thrombose oder Thromboembolie in der Vorgeschichte. Sie sind während der Behandlung klinisch zu überwachen.

In der Fachinformation wird darauf hingewiesen, dass Interferon-Präparate die Thrombozytenzahlen senken und dies zu berücksichtigen ist, wenn Lusutrombopag gleichzeitig mit einem Interferon-Präparat angewendet wird.

Lusutrombopag ist ein Substrat von P-Glykoprotein (P-gp) und dem Breast Cancer Resistance Protein (BCRP). Potenzielle Wechselwirkungen mit P-gp - oder BCRP-Inhibitoren können zwar nicht ausgeschlossen werden, jedoch ist in der empfohlenen Dosis von 3 mg keine Dosisanpassung notwendig.

Während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird die Anwendung des neuen Arzneistoffs nicht empfohlen. Auch Stillende sollen ihn nicht einnehmen.

Die Zulassung von Lusutrombopag stützt sich auf die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus den Phase-III-Studien L-PLUS 1 (n = 97 ) und L-PLUS 2 (n = 215). Alle Patienten hatten eine CLD mit schwerer Thrombozytopenie und ein anstehender, invasiver Eingriff war mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert. Der Eingriff erfolgte ab Tag 9 mit einer Nachbeobachtungszeit von 35 Tagen. Die gepoolte Analyse zeigte, dass 68,2 Prozent der mit Lusutrombopag behandelten Patienten weder eine Thrombozytentransfusion vor dem Eingriff noch eine Notfallbehandlung benötigten (Placebo 23,9 Prozent, p < 0,0001). Eine retrospektive Analyse der Sicherheitsdaten ergab zudem ein um 57,1 Prozent geringeres Blutungsrisiko nach Eingriffen mit Lusutrombopag (ohne Thrombozytentransfusion) versus Placebo (mit Transfusion).

Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Portalvenenthrombose und Hautausschlag.

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