| Daniela Hüttemann |
| 30.04.2026 12:00 Uhr |
Falls es entsprechende Matches in den Datenbanken gibt, werden gleich mehrere potenzielle Spender kontaktiert und zu Voruntersuchungen gebeten. »Oft gibt es dann ein paar Wochen Spielraum, bis wir die Spende brauchen«, berichtete Stölzel. So bleibt dem Spender Zeit, zum Beispiel eine Abwesenheit bei der Arbeit und in der Familie zu organisieren.
Für die Vorsorgeuntersuchung stellen Arbeitgeber den Spender in der Regel frei, für die eigentliche Entnahme gibt es eine Krankschreibung (für den Arbeitsausfall und alle Behandlungskosten kommt die Krankenkasse des Empfängers auf).
Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, tatsächlich als Spender angefragt zu werden, lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche kämen öfter infrage (dürfen aber maximal zweimal im Leben spenden), andere nie, so Stölzel auf Nachfrage.
Zwar geben die behandelnden Ärzte des Empfängers Präferenzen für die Art der Spende, doch hat der Spender hier das letzte Wort. Möglich sind zwei Formen: die Apherese oder eine Knochenmarkpunktion. Bei der Apherese bekommt der Spender zuvor über fünf Tage den Wachstumsfaktor G-CSF zur Selbstapplikation. Das Medikament sorgt dafür, dass mehr Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut geschwemmt werden. Die Konzentration steigt um den Faktor 10. Als Nebenwirkung können Knochenschmerzen auftreten, die sich gut mit Paracetamol behandeln ließen, so Stölzel.
Anschließend werden die Stammzellen mittels Apherese aus dem Blut des Empfängers gefiltert. Das geschieht ambulant. »Die benötigte Menge hängt vom Empfänger ab«, so Stölzel. Anschließend bekommt der entsprechend vorbereitete Patient das Konzentrat infundiert.
Bei einer Knochenmarkspende werden rund 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Dafür muss relativ häufig punktiert werden – nur unter Vollnarkose. / © Getty Images/ Morsa Images/ Abel Mitjà Varela
Eine Knochenmarkspende wird unter Vollnarkose stationär durchgeführt, der Spender bleibt über Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus. Hier sticht der Operateur mehrfach mit einer relativ dicken Nadel abwechselnd in beide Seiten des Beckenkamms , um genügend Stammzellen zu entnehmen, etwa 30- bis 40-mal für rund 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch. Das verkrafte man gut, es könne allerdings kurzzeitige Schmerzen an der Entnahmestelle verursachen. »Die meisten Spender sind aber nachmittags schon wieder auf den Beinen«, versicherte Stölzel.
Zum Vergleich: Im Transplantationszentrum in Kiel würden jährlich etwa 400 Stammezellspenden durch Apherese und 20 bis 30 Knochenmarkentnahmen durchgeführt, durchaus für Empfänger in der ganzen Welt. Bei Fremdspenden erfolgt dabei alles anonym. Nur der Empfänger kann, wenn gewünscht, nach einer gewissen Zeit den Spender über die Datenbank schriftlich kontaktieren, um sich zu bedanken.