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Akne tarda

Das Anti-Pickel-Programm

Als Teenager wundert sich keiner über Pickel und Pusteln. Doch bei immer mehr Frauen blüht die Haut auch jenseits der 25 noch – oder schon wieder. Die PZ erklärt, warum bei dieser Spätakne eine Umstellung der Ernährung und eine Hautpflege mit Retinoiden hilft.
Elke Wolf
29.07.2022  07:00 Uhr

Hautunreinheiten machen zunehmend auch Erwachsenen, meist Frauen, zu schaffen. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft schätzt, dass etwa jede vierte Frau zwischen 25 und 45 Jahren, die in ihrer Jugend zum Teil, aber nicht zwingend Probleme mit der Haut hatte, von dieser Akne tarda betroffen ist. Während die Unreinheiten in der Pubertät vorwiegend in der T-Zone sitzen, sind es im reiferen Alter vornehmlich die Wangen, der Bereich zwischen Mund und Nase sowie die Kinnpartie, die heimgesucht werden. Die Ursachen für das immer häufigere Auftreten sind nicht eindeutig geklärt.

Der Einfluss der Hormone drängt sich förmlich auf. Schließlich ist die Abhängigkeit der prämenstruellen Akne vom Zyklus ganz offensichtlich. Den Betroffenen sind etwa eine Woche vor Einsetzen der Regelblutung die Unreinheiten und die Entzündungsröte ins Gesicht geschrieben. Vermutlich liegt eine individuelle Überempfindlichkeit der Talgdrüsen gegenüber Androgenen, allen voran Testosteron, vor. Dieses spielt eine wesentliche Rolle bei der Zunahme des Talgdrüsenvolumens und der erhöhten Talgproduktion. Sowohl eine erhöhte Aktivität des androgenen Schlüsselenzyms 5alfa-Reduktase als auch eine erhöhte Anzahl der Androgenrezeptoren am Haarfollikel bei Akne-Betroffenen in jedem Alter sind belegt.

Auch Stress scheint das Hormongeschehen nicht unbeeindruckt zu lassen. Adrenalin und Noradrenalin heizen die Androgenproduktion zusätzlich an und setzen in der Haut Entzündungsprozesse in Gang, indem das Miteinander bestimmter Neuropeptide, die wiederum für die Regulierung der Talgdrüsen zuständig sind, außer Balance gerät.

Hau(p)tproblem Insulin

Doch nicht nur genetische Veranlagung und das Wechselspiel der Hormone schlagen sich im Hautbild nieder. Dass auch die Ernährungsweise ein wichtiger Einflussfaktor im Akne-Geschehen ist, zeigen epidemiologische Beobachtungen in ursprünglich lebenden Kulturen. So ist die Bevölkerung Papua-Neuguineas oder im ländlichen Brasilien, wo kaum Monosaccharide in der Nahrung zu finden sind, völlig aknefrei. Hierzulande sind dagegen drei Viertel der Teenager und immer mehr Erwachsene betroffen.

So sollen vor allem Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index wie Back- und Süßwaren, Frittiertes und Fast Food sowie insulinotrope Frischmilchprodukte - mit Ausnahme von Käse - die Pickelentstehung befeuern. Der glykämische Index gibt an, wie stark und schnell der Blutzucker und in der Folge Insulin ansteigt. In der Kuhmilch sind es vor allem die Molkeproteine, die in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse bereits nach 30 Minuten die Insulinsekretion ankurbeln.

Häufiger Milchkonsum bewirkt außerdem eine vermehrte hepatische Bildung des verwandten Hormons IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1). Beide, Insulin und IGF-1, sind potente Stimuli für Akne. Der Fettgehalt der Milch spielt dagegen keine wesentliche Rolle. Fettarme Milch facht durch ihre Molkeproteine das Aknegeschehen sogar stärker an als normale Vollmilch, wie eine aktuelle indische Studie erneut bestätigt.

Die Pathophysiologie, die dahintersteckt: Insulinotrope Nahrungsmittel – Experten schätzen, dass sie hierzulande derzeit mehr als 50 Prozent der Kalorienaufnahme ausmachen – sind aus metabolischer und dermatologischer Sicht sehr ungünstig. Da Talgdrüsen und Keratinozyten – in der Pubertät von Androgenen ohnehin kräftig stimuliert - über Rezeptoren für Wachstumsfaktoren wie IGF-1 verfügen, werden Talgproduktion und Zellproliferation hochgefahren. Es resultiert eine Dauerstimulation durch die Wachstumssignale von IGF und Insulin. Das führt zu einer metabolischen Dekompensation, was sich klinisch als Akne äußert.

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