| Annette Rößler |
| 02.09.2026 13:30 Uhr |
SGLT-2-Hemmer wie Dapagliflozin wirken nephroprotektiv – auch akut, wie eine Studie aus den Niederlanden zeigt. / © Getty Images/sasirin pamai
Ursprünglich wurden SGLT-2-Inhibitoren als Antidiabetika entwickelt: Die Hemmung des Natrium-abhängigen Glucose-Co-Transporters 2 (SGLT-2) in der Niere führt zu einer vermehrten Ausscheidung von Natrium und Glucose über den Urin und wirkt sich somit günstig auf den Blutzuckerspiegel von Menschen mit Typ-2-Diabetes aus. Gleichzeitig senken SGLT-2-Hemmer auch den Druck im Glomerulus und die glomeruläre Filtrationsrate, wodurch die renale Arbeitslast sinkt, während die Perfusion aufrechterhalten bleibt. Schließlich verbessern die Wirkstoffe auch die linksventrikuläre Auswurffraktion und wirken antiinflammatorisch, weshalb Dapagliflozin und Empagliflozin außer bei Typ-2-Diabetes auch bei chronischer Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz zugelassen sind.
Ein weiteres künftiges Anwendungsgebiet könnte der Schutz der Nieren vor akuter Schädigung infolge einer Herzoperation werden. Die MERCURI-2-Studie, deren Ergebnisse ein Team um Maartina J. P. Oosterom-Eijmael von der Universität Amsterdam im Fachjournal »JAMA Network« wiedergibt, belegt einen starken nierenprotektiven Effekt von Dapagliflozin in dieser Patientenpopulation.
Eine akute Nierenschädigung (AKI) ist eine schnelle und starke Abnahme der Nierenfunktion. Sie kann durch große Flüssigkeits- oder Blutverluste sowie andere Ursachen ausgelöst werden und stellt, obwohl sie meist reversibel ist, einen Risikofaktor für die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz sowie ein Morbiditätsrisiko dar. Nach Herzoperationen entwickeln 2 bis 50 Prozent der Patienten eine AKI. Als Auslöser werden unter anderem eine Minderperfusion und Hypoxie der Nieren unter der OP vermutet. Bislang gibt es keine zugelassenen Wirkstoffe zur Verhinderung einer AKI nach Herz-OP.
In der MERCURI-2-Studie wurde untersucht, ob eine Gabe von Dapagliflozin bei Patienten mit einer geplanten Herz-Operation die Rate an postoperativer AKI senken kann. Teilnehmende waren insgesamt 784 Personen, die in verschiedenen Kliniken in den Niederlanden operiert wurden. Sie erhielten randomisiert und doppelblind jeweils zur Hälfte entweder 10 mg Dapagliflozin täglich mit Start einen Tag vor der OP für insgesamt vier Tage oder Placebo. Primärer Endpunkt war der Anteil von Patienten mit AKI innerhalb von sieben Tagen nach der Operation. Eine AKI war definiert als Anstieg des Serumkreatinins um mindestens 0,3 mg/dl (26,5 µmol/l) innerhalb von 48 Stunden, Anstieg des Serumkreatinins auf mindestens das 1,5-Fache des Ausgangswerts innerhalb von sieben Tagen oder Abfall der Urinmenge auf unter 0,5 ml/kg Körpergewicht/Stunde für mindestens sechs Stunden. Diese Kriterien entsprechen der Definition der internationalen Organisation KDIGO (Kidney Disease – Improving Global Outcomes).
Dapagliflozin reduzierte die Rate an AKI im Vergleich zu Placebo signifikant auf etwa die Hälfte: In der Dapagliflozin-Gruppe kam es bei 28 Prozent der Patienten innerhalb von sieben Tagen nach der OP zu einer AKI, in der Placebogruppe bei 52 Prozent (relative Risikoreduktion um 46 Prozent). Die insgesamt vergleichsweise hohe Inzidenz von AKI in der Studienpopulation kam laut den Autoren vor allem durch das letztgenannte Kriterium der KDIGO zustande (Abfall der Urinmenge), das in der Placebogruppe 48 Prozent der Patienten mit AKI erfüllten und in der Dapagliflozin-Gruppe 21 Prozent.
Da die Urinmenge nach einer Operation bei relativ vielen Menschen vorübergehend abnimmt, könnte man infrage stellen, dass dieses Kriterium in diesem Setting angewendet werden sollte. Die Autoren verweisen jedoch auf Studienergebnisse, wonach gerade dies sich langfristig negativ auf die kardiovaskuläre Gesundheit der Betroffenen auswirkt. Insgesamt belegt die MERCURI-2-Studie somit klar einen Nierenschutz durch Dapagliflozin in der perioperativen Anwendung bei Herz-OPs.