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Komorbiditäten

Covid-19 kann schwerer bei Parkinson-Patienten verlaufen

Morbus Parkinson selbst ist zwar kein Risikofaktor für eine SARS-CoV-2-Infektion. Parkinson-Patienten haben jedoch oftmals zahlreiche Begleiterkrankungen, die zu schweren Krankheitsverläufen bei Covid-19-Infektionen führen können. Das hat eine aktuelle Untersuchung der Neurologischen Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum gezeigt, die nunmehr im Fachjournal »Neurological Research and Practice« veröffentlicht wurde.
Christiane Berg
26.08.2020  14:38 Uhr

Im Rahmen der Studie wurden die Daten aller 2018 in Deutschland stationär behandelten Parkinson-Patienten überprüft. Danach leiden diese überdurchschnittlich häufig an Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und zerebrovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus, Hepatitis-B-Infektionen sowie chronisch-obstruktiven Lungen- und chronischen Nierenerkrankungen. Sie neigen zudem (insbesondere in fortgeschritten Stadien) vermehrt zu viralen Pneumonien.

Dieser Erkenntnis unterstreicht die besonders große Bedeutung sowohl individueller hygienischer Präventions- als auch genereller Versorgungsstrategien bei Morbus Parkinson als neurodegenerative Erkrankung mit typischen Symptomen wie unter anderem Tremor, Rigor, Freezing oder Bradykinesie, betonen die Studien-Autoren Professor Dr. Lars Tönges und Professor Dr. Christos Krogia in einer aktuellen Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), Berlin.

Bei Morbus Parkinson ist also mit Blick auf die Corona-Pandemie besondere Vorsicht angezeigt. Als Hilfestellung hat die Fachgesellschaft auf ihrer Homepage einen Corona-Ratgeber für Patienten und Angehörige veröffentlicht. Die Broschüre umfasst Informationen, die über die generellen Verhaltensregeln und Hygiene-Empfehlungen unter anderem des Robert-Koch-Instituts hinausgehen.

Kontakte minimieren, aber Bewegung nicht vernachlässigen

Bei Morbus Parkinson sind Bewegungstraining, soziale Kontakte und Therapiekontrollen beim Arzt integrale Bestandteile der Behandlung. Hier gelte es besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Notwendigkeit dieser Kontakte walten zu lassen. Auch Termine beim Physio-oder Ergotherapeuten seien möglich, sollten aber nur in dringenden Fällen ausgemacht werden.

Sinnvoll könne es sein, auf Video-Clips mit Anleitungen für Bewegungsübungen im Alltag oder Apps wie die sogenannte MoveAPP zurückzugreifen, die kostenfrei im AppStore und bei Google Play erhältlich ist. Unter dem Stichwort »Wegweiser« finden sich auf der Website der Parkinson-Gesellschaft weitere Tipps und Informationen mit entsprechenden Links zu Angeboten unter anderem zur Durchführung von Bewegungs-, Mimik- und Eigenübungen bei Parkinson.

Die DPG betont, dass körperliches Training in Form von Gymnastik zu Haus und auch Spazierengehen oder Nordic Walking unbedingt und regelmäßig weitergeführt werden muss. Hingegen könne es sinnvoll sein, den direkten Kontakt mit Personen außerhalb des Haushalts etwa beim Einkaufen zu meiden. Hier sollten gegebenenfalls Ersatz-Lösungen und Hilfsangebote erwogen werden.

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