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Endometriose
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Chamäleon der Gynäkologie

Frauen mit Endometriose haben häufig einen langen Leidensweg bis zur Diagnose. Die neue S2k-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Endometriose gibt neue Empfehlungen, die auch für die kompetente Beratung in der Apotheke wichtig sind.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 11.12.2025  09:00 Uhr

Kombinierte orale Kontrazeptiva

Die Behandlung der Endometriose mit kombinierten oralen Kontrazeptiva erfolgt außerhalb der Zulassung (off Label). Die Therapie reduziert effektiv eine Dysmenorrhö. Ideal ist die Kombination von Dienogest/Ethinylestradiol; andere Gestagene wie Drospirenon sind individuell möglich.

Favorisiert wird eine kontinuierliche Einnahme (Langzyklus), um schmerzhafte Zwischenblutungen zu vermeiden. Die Estrogen-Spiegel sollten keine proliferativ aktiven Konzentrationen von 50 pg/nl überschreiten. Das erhöhte Risiko einer venösen Thromboembolie ist in den ersten Monaten zu beachten. Weitere Nebenwirkungen sind Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme und Zwischenblutungen.

Alternativen

Bei Versagen konventioneller Therapieoptionen erwähnt die Leitlinie die Möglichkeit einer Behandlung mit Aromatase-Hemmern wie Letrozol oder Progesteron-Rezeptor-Modulatoren. Die Aromatase ist ein Enzym des ektopen Endometriums, das dort zu steigenden Estrogen-Spiegeln führt. Progesteron-Rezeptor-Modulatoren wie Mifepriston haben einen antiproliferativen Effekt auf das Endometrium. Für beide Optionen ist die Datenlage dürftig und das Risiko für schwere Nebenwirkungen hoch.

Individuelle Schmerztherapie

Die individuelle Schmerztherapie ist ein zentrales Anliegen der Leitlinienautoren. Ist eine Laparoskopie oder eine hormonelle Behandlung nicht möglich oder bessert sich die Schmerzsituation damit nicht ausreichend, raten sie zu einer multimodalen Behandlung. Damit ist ein ganzheitliches Konzept gemeint, das Ansätze verschiedener Fachbereiche kombiniert.

Studien beschreiben, dass NSAR effektiver als Paracetamol bei einem nozizeptiven Schmerzmechanismus wirken. Studien zufolge haben Tiaprofen- und Mefenaminsäure das günstigste Nebenwirkungsprofil (sind aber in Deutschland nicht zugelassen) und Flurbiprofen wäre die wirksamste Option. NSAR wie Diclofenac und Indometacin oder Celecoxib sind ebenfalls geeignet.

Stehen neuropathische oder noziplastische Schmerzen im Vordergrund, werden selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), trizyklische Antidepressiva, Cannabinoide, Opioide, Metamizol, Paracetamol oder Gabapentinoide eingesetzt.

Für Metamizol oder Paracetamol liegen keine kontrollierten Studien zur Therapie der Endometriose vor. Metamizol mit analgetischer, antipyretischer und spasmolytischer Wirkung kann effektiv die Schmerzen lindern. In der Apotheke muss über das Risiko einer Agranulozytose aufgeklärt werden. Paracetamol sollten Frauen nur verwenden, wenn es ihnen erwiesenermaßen hilft. Das Apothekenteam muss auf die maximale Tagesdosis (60 mg/kg KG, täglich maximal 4 g) und die Lebertoxizität hinweisen.

Die Leitlinie betont, dass Schmerzmittel auch kombiniert, aber immer so niedrig dosiert und so kurzzeitig wie möglich eingesetzt werden. Hier kann das Apothekenteam wertvolle Unterstützung leisten. Für den postoperativen Schmerz wird die Kombination Ibuprofen (200 ± 50 mg) mit Paracetamol (500 mg) favorisiert.

Angelehnt an die S2k-Leitlinie »Chronischer Unterbauchschmerz der Frau« sollten Opioide nur bei unzureichender Wirkung von Nicht-Opioid-Analgetika verordnet werden. Dabei sind die Empfehlungen der S3-Leitlinie »Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen« zu berücksichtigen: niedrige Startdosis, regelmäßige Überprüfung der Therapie und nach biopsychosozialen Gesichtspunkten nicht als Monotherapie.

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