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Apotheker im Stress
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Burn-out entsteht durch Systemfehler

Weltweit stehen Apotheken unter Druck – das gefährdet nicht nur die Teams, sondern auch die Patientensicherheit. Fachleute warnen im FIP-Webinar: Burn-out entsteht nicht durch individuelle Schwäche, sondern durch Systemfehler.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 05.06.2026  09:00 Uhr

Stressfaktor Loyalitätskonflikte

Teamkalender funktionieren ebenfalls besser als individuelle Planungen, weil sie zeigen, wer an welchem Tag mit wem zusammenarbeitet. Das schafft Ruhe und Orientierung. Gleiches gilt für klare Workflows und den gezielten Einsatz von Technologien: »Sie sollten Abläufe erleichtern und Ressourcen freisetzen – nicht Zeit fressen«, so Austin. Auch eine ergonomische, ansprechende Einrichtung zahle sich aus.

Ein weiterer Stressfaktor für Heilberuflerinnen und Heilberufler sind Loyalitätskonflikte. Wer in Kooperationen mit wirtschaftlichen Interessen arbeitet und gleichzeitig eine sichere Versorgung gewährleisten muss, gerät schnell in einen Zwiespalt. »Das darf eigentlich nicht sein«, sagte der Pharmazieprofessor.

Apothekerinnen und Apotheker brennen aber nicht wegen ihres Arbeitspensums aus, sondern weil sie sich nicht so intensiv mit der Patientenversorgung befassen können, wie sie gerne würden. Darauf wies die neuseeländische Apothekerin und Autorin Katrina Azer hin. »Der Wert eines Angestellten wird oft daran gemessen, wie viele Rezepte er beliefert – nicht daran, wie viele Leben er berührt.« Die bloße Quotenorientierung zeuge zudem von mangelnder Wertschätzung für die Arbeit des Berufsstands.

Entfremdung zerstört Leidenschaft

Auch sie fordert, den Fokus der Verantwortung vom Individuum wegzulenken: »Es ist ein Systemfehler.« Gerade gewissenhafte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten seien besonders gefährdet, weil sie tendenziell anfälliger für Überlastungen seien. Azer spricht aus eigener Erfahrung. Sie selbst erlitt nach 18 Jahren in der Offizin ein Burn-out – und stellte danach nicht nur sich, sondern den gesamten Beruf infrage.

Sie warnt davor, wie schlechte Arbeitsbedingungen Mitarbeitende in eine Identitätskrise treiben können. Viele Apothekerinnen und Apotheker rund um den Globus verstünden nicht, warum ihr Studium kaum noch eine Rolle spiele oder warum der Berufsalltag so weit von ihren ursprünglichen Vorstellungen entfernt sei. Diese Entfremdung zerstöre Leidenschaft und Bindung. Wer in einer solchen persönlichen Krise aussteige, kehre selten zurück – ein bitterer Verlust für einen ohnehin unterbesetzten Berufsstand, so Azer.

Sie selbst hat das Apothekersein für sich neu überdacht. Inzwischen bezeichnet sie sich als »Pharma Artist« und verbindet Wissenschaft, Geschichtenerzählen und Herzblut. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Apothekerinnen und Apothekern dabei zu helfen, ihre Beziehung zum Beruf zu heilen und den Sinn ihrer Arbeit wiederzuentdecken.

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