| Lukas Brockfeld |
| 08.06.2026 15:30 Uhr |
Die Arbeit in einer Apotheke kann belastend sein. / © Getty Images/nicoletaionescu
Apothekerinnen und Apotheker haben einen sinnstiftenden Beruf, in dem sie jedoch mit vielen Herausforderungen konfrontiert sind: Lieferengpässe, fehlendes Personal und eine seit Jahren stagnierende Vergütung. Doch wie zufrieden sind die Apotheker wirklich? Welche Probleme haben sie und wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? Zu diesen Fragen liegt eine Studie im Auftrag der Employed Community Pharmacists in Europe (EPhEU) vor.
Dafür wurden zwischen Oktober 2023 und Januar 2024 eine webbasierte Querschnittsbefragung unter zugelassenen Apothekern aus 17 europäischen Ländern durchgeführt. Insgesamt nahmen 789 Apothekerinnen und Apothekern an der Befragung teil. Teilnahmeberechtigt waren Apotheker, die in öffentlichen Apotheken, Krankenhäusern, klinischen Apothekendiensten oder in der pharmazeutischen Industrie beschäftigt waren. Das Medianalter lag bei 40 Jahren, 80 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich.
Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Stichprobe nicht repräsentativ für die europäische Apothekerschaft ist. Die Ergebnisse der Studie sollten daher eher als hypothesenbildend und nicht als endgültig betrachtet werden.
Der Apothekerberuf hat in allen Ländern ähnliche positive und negative Seiten. So gaben die Befragten die Arbeit im Team und die Verbundenheit mit den Kolleginnen und Kollegen als positive Faktoren an. Gleichzeitig klagten viele Apothekerinnen und Apotheker über schwierige Arbeitsbedingungen und fehlendes Personal. Auffällig war auch, dass sich 40 Prozent der Befragten für ihre alltäglichen Aufgaben überqualifiziert fühlten.
Ein Großteil der befragten Apotheker gab an, dass ihre Berufsgruppe eine wichtige Funktion im Gesundheitssystem ihres Landes einnimmt. Außerdem haben sie das Gefühl, dass ihr Beruf von der Gesellschaft respektiert wird. Gleichzeitig beklagen viele Apothekerinnen und Apotheker, dass ihre Kompetenzen im Gesundheitssystem zu wenig anerkannt werden. Ärzte und Pflegekräfte würden bei Behandlungsproblemen oft nicht ausreichend mit ihnen kooperieren und seien sich des hohen Ausbildungsniveaus der Apothekenteams nicht bewusst.
In der Befragung wiesen Frauen, Apotheker mit einem Doktortitel und Mitarbeitende in unabhängigen öffentlichen Apotheken sowie Beschäftigte in der Pharmaindustrie besonders hohe Zufriedenheitswerte auf. Auch Teilzeitbeschäftigte sowie Apotheker mit hohem Einkommen waren überdurchschnittlich zufrieden. Umgekehrt waren Apotheker in Krankenhäusern und Angestellte von Apothekenketten besonders unzufrieden.
Auch zwischen den Ländern konnten erhebliche Unterschiede beobachtet werden. Die zufriedensten Apothekerinnen und Apotheker gibt es demnach in Serbien, die Unzufriedensten im Vereinigten Königreich. Die deutsche Apothekerschaft landet im europäischen Mittelfeld. Ihre Kollegen in Österreich erzielten etwas höhere Zufriedenheitswerte.